6.11.05

Erst der Berg und dann ans Meer

Auf der Drehortsuche hab ich heute wieder einige Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Zunächst habe ich einen nahegelegenen Berg bestiegen, um einen Blick auf ganz Matsuzaki zu kriegen. Der Weg zum Gipfel stellte sich allerdings als etwas schwieriger heraus, ich hab zwar nur ungefähr eine dreiviertel Stunde bis nach oben gebraucht, aber dafür war der ganze Weg ziemlich steil. Immerhin führte der ganze Weg über befestigte Straßen. Oben angekommen bot sich allerdings ein schöner Ausblick auf die Bucht, nur schade, dass das Wetter heute eher in die Kategorie "herbstlich" fiel.


Der Weg zurück nach Matsuzaki war dann erheblich lockerer, es ging schließlich nur noch bergab. Für Arachnophobiker ist die Gegend hier übrigens ganz schön fordernd. Am Wegesrand hängen ziemlich häufig ungefähr handtellergroße (mit Beinen), kunterbunte Spinnen, die ihre Netze in den Bäumen gespannt haben. Ich hab mir und euch ein Foto davon erspart.

Wieder unten angekommen folgte ich einem Stadtplan, der vom städtischen Fremdenverkehrsamt extra für "Sekachuu"-Groupies angefertigt wurde. Einige Schauplätze waren auch leicht zu finden, für andere musste ich doch ein wenig suchen. Dabei bekam ich natürlich auf Matsuzaki insgesamt zu sehen. Die Stadt macht einen ziemlich ausgebleichten Eindruck. Es gibt zwar einige schöne Ecken, aber hier braucht so ziemlich alles mal eine Renovierung. Was zur Bevölkerung passt, die wie bereits erwähnt eher in den höheren Altersklassen anzusiedeln ist. Ich vermute mal, dass die jüngeren sich Richtung Großstadt aufmachen, sobald sie mit der Schule fertig sind. Zumindest würde ich das machen, als hier zu bleiben...

Aber für einen Kurzbesuch gibt es hier schon was zu sehen, das Meer (jetzt hab ich den Pazifik von beiden Ufern berührt!),


ein paar kleine Tempel bzw. Schreine,


schöne alte Häuser und die ein oder andere Möglichkeit zum heiß baden. Was ich auch gleich machen werde. Und dann noch zu Abendessen und morgen geht es dann weiter Richtung Kyoto.

Machen wir's anders

Nachdem ich mich gestern ausführlich (sprich, bis zum "Zapfenstreich" um 22h) mit den beiden anderen Gästen (ich bin sooo schlecht was Namen angeht...) unterhalten habe, beschloß ich spontan meine Pläne zu ändern. Die beiden sind Architekturstudenten in Tokio und wollten mit einer drei Tagestour auf die Izu Halbinsel dem Großstadtstress entfliehen. Vorher waren die beiden aber auch in Kyoto, wo ich ja als nächstes hin will. Zuerst haben sie mir ausführliche Tipps gegeben, was ich mir in Kyoto und Osaka unbedingt angucken solle. Zum Schluß schwärmten mir beide von der Insel Naoshima vor, auf der Architekt Ando Tadao für ein Projekt eines Verlages interessante Museen gestaltet hat. Das hat mich so neugierig gemacht, dass ich mich dringend mal informieren muss, wie ich am besten dahin komme. Dafür opfere ich dann auch zwei Tage Hiroshima, wo mir die beiden Spanier schon empfohlen hatten, das da auch ein Tag voll ausreicht. Also dann, auf das ich das auch noch hinkriege.

5.11.05

Freudige Überraschungen

Oh... mein... Gott... ich hab's echt richtig gut erwischt hier mit dieser Jugendherberge. Nachdem ich von meinem kleinen Spaziergang zurückkehrte, wartete schon das Bad auf mich. Zuerst hab ich noch überlegt, ob ich wirklich... pff, ich bin manchmal ein Depp. Wunderbare Sache das, mit dem Bad! Wär allerdings auch schon fast eingepennt. Kurze Zeit später wurde zum Abendessen gerufen (jo, es gibt immer Durchsagen). Ich durfte mir an der Küche ein Tablett holen... halt, nein, da kommt ja noch ein zweites! Mal sehen, was haben wir alles... Spinat mit irgendwas, fritierter Tofu mit irgendwas, Lachssashimi mit Wasabi und Rettichfäden, Hähnchennuggets und fritierter Kürbis, Pilz mit Schinken und Zwiebeln, Fischsuppe, Reis, ein Stück Kaki und eine halbe Mandarine (aus dem eigenen Garten, nehme ich an) und ein Kännchen grünen Tee. Ja, ich glaub das war alles. Ich glaub allein dafür würde ein japanisches Restaurant bei uns mindestens das nehmen, was ich hier für alles mit Unterkunft+Frühstück+Abendessen bezahle.

Inzwischen sind auch weitere Gäste eingetroffen. Ich hab ja damit gerechnet, wenn, dann wären eh nur Japaner hier, aber ein Libanese und eine Polin haben ihren Weg hierher gefunden. Leider waren sie zu spät für das Abendessen, also müssen sich die Armen jetzt einen Konbini suchen und dort was zu futtern kaufen. Ich denke wir treffen uns nachher zur "Gemeinschaftsstunde" zu einem Tässchen Tee. Die beiden meinten aber auch, das hier wäre das beste, was sie an Jugendherberge hier in Japan gesehen hätten.

Kontraste

Ich hab's geschafft, ich bin in Matsuzaki. Genauer gesagt bin ich in der Jugendherberge in Matsuzaki. Ein traditionelles älteres japanisches Haus, sehr niedlich. Ich habe ein Tatamizimmer für mich allein, Frühstück und Abendessen gibt es auch, gegen Aufpreis versteht sich. Aber die kleine japanische Großmutter, die mich hier in Empfang genommen hat, der konnte ich diesen Vorschlag nicht ausschlagen. Ich geh mal einfach davon aus, dass es schmecken wird.

Um euch einen Eindruck zu geben, hier ein Bild von meinem Zimmer...


und hier der kleine, schöne Garten, der im Innenhof der Jugendherberge zu finden ist:


Der Weg hierher war mal wieder eine kleinere Odyssee. Erstmal musste ich am Tokyoter Bahnhof rausfinden, welchen Zug ich nehmen kann. Am Ende war es dann eine Art Regionalexpress, der mich in 2 Stunden an der Küste entlang nach Shimoda brachte. Von dort fuhr dann ein Bus Richtung Matsuzaki. Dummerweise hab ich den Expressbus genommen. In der Beschreibung der Jugendherberge stand was davon, dass das Gebäude direkt an der Bushaltestelle sei. Blöd nur, dass der Expressbus da nicht hält, sondern mich gleich ins Zentrum von Matsuzaki kutschierte. Also musste ich ungefähr einen Kilometer in doch schon ziemlicher Hitze mit vollem Gepäck zurückgehen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie froh ich war, als ich endlich das kleine Gebäude gefunden habe.

Übrigens scheint die Gegend hier besonders von älteren Menschen bevölkert zu sein. Die Izu Halbinsel, auf der ich mich jetzt befinde, ist wegen seiner heißen Bäder (Onsen) und der schönen Küste wohl bei Tokyotern sehr beliebt für Tages- bzw. Wochenendausflüge. Auf jeden Fall war der Zug und der Bus voll von Rentnern und auch hier in Matsuzaki sind mir bisher nur sehr wenige junge Menschen begegnet. Jetzt geh ich glaub ich noch ein Ründchen spazieren und guck mir die Gegend mal an. Morgen gehts dann auf Sekachuu-Locationspottingtour...

4.11.05

Das war erst der Anfang

Das war dann also mein (vorerst) letzter Tag in Tokyo. Verbracht hab ich ihn wie die letzten Tage auch schon: mit viel herumlaufen. Zuerst ging es nach Shinagawa, wo ich meinen JR Pass eingetauscht habe. Man kriegt beim Kauf ja nur einen Gutschein, den man dann hier einlösen muss. Danach ging es zum Hara Museum of Contemporary Art. Sanagawa ist eigentlich, soweit ich das gesehen habe, ziemlich unspektakulär, laut und eher hässlich, aber das Hara Museum liegt etwas abseits in einer ruhigen Wohngegend. Das Gebäude im Bauhausstil ist von einem Garten umgeben, sehr schön schon mal. Mit dem großartigen Wetter heute ergab das ganze schon eine fast mediterrane Atmosphäre.

Im Museum selbst gab es momentan eine Ausstellung der japanischen Künstlerin Miwa Yanagi zu sehen. Viele Fotografien, meistens junge Mädchen in verstörenden Umgebungen. Teilweise auch mit Masken, die sie sehr alt aussehen lassen. Vom Unheimlichkeitsfakter her ungefähr so wie diverse Aphex Twin-Videos. Interessant war vor allem die Bilderreihe "Fairy Tales", in der Motive aus bekannten Märchen wie "Rotkäppchen", "Aschenputtel" oder "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" nachgestellt wurden. Danaben gab es einige Installationen und Skulpturen zu sehen. Sehr interessant war auch die Nachbildung des Arbeitszimmers von Yoshitome Nara. Und im Museumsshop hätte ich auch gerne wieder eingekauft, aber naja, das Platzproblem. Sehr cool war zum Beispiel ein Hemd, zur Hälfte "richtiges" Hemd und die andere Hälfte ein Longsleeveshirt.

Danach hab ich mich auf den Weg nach Odaiba gemacht. Und unglaublich aber wahr, ich habe den Weg zum Meer ohne große Probleme gefunden. Hier der Beweis, es gibt viel Wasser in Tokyo:


Im Hintergrund ist schon mein Ziel zu sehen. Odaiba ist eine künstliche Insel in der Bucht von Tokyo, voll mit Geschäften, Restaurants, Hochhäusern (sowohl geschäftlich als auch als Wohngebiet) und viel Verkehr. Diese Künstlichkeit war auch ständig spürbar, ich denke ein Bild wie dieses sagt schon alles:


Ich bin also mit der Fähre da rübergeschippert und was einen als erstes erwartet ist eine mindestens 5 Etagenhohe Wand aus Geschäften und Restaurants. Worin die Japaner ja ziemlich großartig sind, ist der niedlich-kreative Gebrauch der englischen Sprache. Zuerst sah ich das, was als Kombination ja schon ziemlich wild ist:

Das macht also der Weihnachtsmann außerhalb der Weihnachtszeit, er schippert mit seinen Kumpanen über die sieben Weltmeere. Noch besser sind allerdings die Lieblingssätze vom Captain:

Jaaaa, ein ganz freundlicher Hippietyp, dieser Captain Santa! Zu köstlich.

Ich bin dann noch was auf dem Eiland rumgestromert, hier mal einen Laden angeguckt, da ein Riesenrad, hier ne Spielhalle... das spannenste war ganz ehrlich die Zweigstelle von HMV, wo ich mir ein paar CDs angehört habe und beinahe wieder welche gekauft hätte. Himmel, hier in Japan mutiere ich wieder zum CD-Käufer. Es gab einen interessanten Sampler von japanischen Postrockern, was neues von AFX, The Orb auf Kompakt... nuja, ich hätte so einiges gerne mitgenommen.

Ach ja, apropos... hier gibt es zwar Gap, HMV, McDonalds und was weiss ich... aber ich hab noch nicht einen H&M gesehen! Gibt's denn das? Kein H&M in Japan?

Um 17h hab ich dann wieder den Heimweg angetreten, es wurde dunkel und da die Rainbow Bridge bei Dunkelheit schick beleuchtet sein soll, dachte ich mir, da gehst du doch mal zu Fuß drüber. 980m oder so, ist doch gelacht. Als ich dann da ankam, erklärte mir einer der Brückenwärter, dass der Fußweg der Brück um 18h schließen würde. Naja, ich bin ja gut zu Fuß, also hab ich mich auf den Weg gemacht. Unterwegs hab ich dann unter anderem folgendes Bild gemacht:



Das sieht doch in der Tat ganz schick aus. Ich also im strammen Marsch rüber über die fast menschenleere Brücke (dafür gab es massenweise Autos...) und ich hab es auch rechtzeitig rübergeschafft. Am Ende des Fußwegs darf man noch einen Aufzug runterdüsen und landet in einer wirklich leeren Lobby. Unheimlich... noch besser ist, dass man dann im Hafenviertel landet und sich ein wenig verloren vorkommt. Praktischerweise war aber grad Feierabendzeit, also bin ich einfach dem immer stärker werdenden Menschenstrom gefolgt, der mich tatsächlich zur richtigen Bahnhaltestelle geführt hat. Lemmingverhalten halt also doch manchmal seine Vorteile.

Nun denn, ich mache mich jetzt mal bereit für die letzte Nacht hier in Takashimadaira. Morgen geht es dann für 2 Tage auf die Izu Halbinsel und danach weiter nach Kyoto. Ich glaub in Matsuzaki, wo ich die nächsten zwei Tage bin, werde ich keine Internetverbindung kriegen, also hört ihr erst wieder von mir, wenn ich in Kyoto bin. Dann gibt's sicherlich viel zu erzählen und auch viel zu sehen.

Schmeckt gar nicht so schlecht

Irgendwie gehen die Japaner mit dem Willen zum Umweltschutz doch etwas zu weit (Ich hoffe der kleine Aufkleber unten ist einigermassen lesbar...):

Wie es der Zufall so will...

Dem Internet sei dank kann ich mir auch hier die aktuelle Ausgabe der Tagesschau hier angucken. Und da ich gerne mal wissen wollte, was zu Hause so abgeht, bin ich mal auf deren Webseite vorbeigesurft. Und was seh ich da? Der Japan-Korrespondent hat eine Beitragsreihe "E-Mails aus Japan" gemacht. Als letzter Beitrag, passend zu meinem heutigen Trip, ein Bericht über Odaiba. So'n Zufall...

3.11.05

Weitere Alltäglichkeiten

Mehr zum Thema U-Bahn:

Mittlerweile bin ich schon so ans U-Bahnfahren gewöhnt, ich mache es jetzt auch schon fast so wie die meisten Japaner und penne während der Fahrt. Das schaukelt aber auch immer so angenehm... naja, heute hab ich mir allerdings die SZ mitgenommen, die ich mir auf dem Hinflug mitgenommen habe. Da ich jetzt auch schon die Tokioter-U-Bahn-Zeitungslestechnik übernommen habe, ist das kein Problem. Zeitung wie gewohnt auf eine Seite falten, die Seite nochmal längs falten und je nachdem auch noch mal in der Mitte. Schön kompakt.
Übrigens ist die Luft in den meisten U-Bahnstationen eher warm und stickig bis stinkig, nicht unbedingt was für empfindliche Näschen.


Zum Thema Geldbeschaffung:

Heute hab ich mal versucht an einem Bankautomaten in der U-Bahnstation Geld zu ziehen, leider nahm er weder meine Bankkarte noch meine Visakarte. Hrmpf. In Harajuku hab ich dann aber einen Automaten der Citibank gefunden, der meine Bankkarte anstandslos schluckte. Auch alles schön in Englisch auswählbar. Nur stellte er mir am Schluß die Auswahl aus drei verschiedenen Konten, ich hab einfach mal das erste gewählt. Keine Ahnung ob es das richtige war, auf jeden Fall kam Geld raus und das war ja was ich wollte.


Zum Thema Nahrungsmittel:

Irgendwas ist hier mit der Milch anders. Keine Ahnung, vielleicht ist sie nicht homogenisiert, pasteurisiert oder was weiss ich. Auf jeden Fall riecht sie auch frisch eher streng, schmeckt dafür aber ziemlich gut. Auch eher streng riecht auch das Wasser aus dem Hahn, sehr chlorig, nüscht für zum trinken. Dafür gibts ja das Zeug aus den Automaten an jeder Ecke. Die Äpfel hier sind riesig, Mandarinen normal, Toastbrotscheiben sehr dick, Cocopops kriegt man auch und überraschenderweise viel japanisches Essen. Sehr merkwürdig.

Wo lass ich mein Geld heute...

Ich bin heute zu dem Schluß gekommen, das Tempel und Schreine zwar ganz nett anzuschauen sind, aber irgendwie wirklich spannend ist es ja nun wirklich auch nicht. Also langweile ich euch nicht mit meinem Besuch im Meiji-Schrein. Naja, wenigstens nicht zu sehr. Da heute ja Feiertag war (Kulturtag) wimmelte es auf dem Weg zum Schrein schon von Menschen. Auch einige im festlichen Kimono. Sehr putzig anzuschauen waren die ganzen kleinen Kinder in festlicher Aufmachung. Ein kleines Mädel, vielleicht 3 Jahre alt, hatte auch einen schicken "Hello Kitty"-Kimono. Daneben gab es noch toll hergerichtete Blumenarrangements (sicher was für meine Mutter) und künstlerisch wertvolle Bonsai. Das interessanteste am Schrein war für Mariko und mich aber der Baum, an dem die Besucher ihre auf Holztäfelchen verewigten Wünsche anbringen konnten. Ich hab natürlich nach Wünschen auf Deutsch gesucht, es wird viel Glück, Gesundheit, Liebe und Frieden gewünscht, nur einer wagte es sich ein wenig mehr Geld zu wünschen.

Einen Tag früher hätte ich mir wohl gewünscht, Bier zu finden. Ist gar nicht so einfach, wie es scheint, ich bin durch alle Supermärkte (oder wie man hier so schön sagt: Konbini) in der Gegend getigert, aber ohne Erfolg. Sonst gibt es alles, aber Bier... Fehlanzeige. Zum Glück entdeckte ich bei meinem Spaziergang dann einen Laden, der Alkoholika aller Art verkauft. Und so sitze ich jetzt hier bei einer Dose "Asahi Super Dry". Kanpai!

Als wir dann genug vom Schrein hatten, kehrten wir ins nahegelegene Harajuku zurück. Wo wir schon mal da waren, bin ich gleich nochmal bei Beams-T, dem T-Shirtladen von gestern, zurückgekehrt. Und hab mir doch tatsächlich eins gekauft. Ich präsentiere also: mein teuerstes T-Shirt!


Ist doch schick, was? Da ja die Design Festa Gallerie um die Ecke ist, hab ich die Mariko auch mal gezeigt. Die konnte mir dann auch ein paar Sachen genauer erklären. Ist schon sehr praktisch, jemanden dabei zu haben, der dem japanischen mächtig ist. Es hat sich auch gelohnt, es wurde in einem Appartment gerade eine neue Ausstellung eröffnet. Unter anderem gab es dort bemalte Sojabohnen zu sehen, sehr putzig das.

Von da aus sind wir dann auf die Haupteinkaufsstraße, so ne Art wie die "Kö" in Düsseldorf, ein großer Name neben dem anderen. Neben Prada, Dolce & Gabana, Armani und wie sie heißen auch ein Gap und ein Adidas und ein Pumastore. Da gab's schon schicke Sachen, aber der Kram ist hier auch so teuer wie zu Hause. Naja, wie gesagt, mal davon abgesehen, dass Schuhe hier fast die Hälfte kosten.

[es folgt wieder eine kurze Unterbrechung]

Hier im Musik-TV läuft grad ein Video von Polysics. Eine Art japanische Devo, sehr geil, könnte sogar bei uns was werden. Herr Viehmann, falls noch nix dafür geplant ist, Platz machen dafür! Falls jemand derzeit in UK ist, die touren da derzeit.

[Unterbrechung beendet]

Am Ende der Straße sind wir dann im Spiral Building angekommen, wo es ständig wechselnde Ausstellungen und Shops gibt. Unten gibt es auch einen feinen kleinen Plattenladen, wo ich mir ein Album vom "Breakestra" gekauft hab. Trés funky. Im Hauptbereich gab es derzeit eine Ausstellung über eine finnische Stoffdesigngruppe namens "marimekko", sehr bunt, teilweise ordentlich 70er, aber auch ein paar tolle Designs dabei. Wenn ich nicht noch 2 Wochen Reise vor mir hätte, ich hätte im Ausstellungsshop auch noch das ein oder andere gekauft. Ich muss das nächste Mal nur zum Shoppen nach Tokyo düsen... wie dekadent.

Heute morgen haben sich die zwei Spanier, Javier und Ramon (Hallo, Klischee!) verabschiedet. Die zwei waren total vollgepackt, kein Wunder bei den ganzen Souveniers, die die beiden gekauft haben. So sahen die beiden dann beim Abschied aus:

Ich hoffe, die beiden haben es bis zum Bahnhof geschafft... die haben aber noch so einen Weg vor sich, erstmal nach Osaka, von da nach Dubai, dann nach Frankfurt und schlußendlich heim nach Madrid. Was bin ich froh, das ich direkt von Tokyo nach Frankfurt jette.

Die leeren Zimmer sind auch schon wieder gefüllt, 2 Jungs aus der Karibik, die sich gleich nach der Ankunft in ihre Zimmer verzogen haben und Joe aus Australien, der grad noch ein Ründchen mit mir gequatscht hat. Der macht grad eine kleine Weltreise, war ein paar Monate in Europa, dann in L.A. und jetzt macht er ein paar Tage Zwischenstopp hier in Tokyo, bevor er dann für einen Monat nach Thailand geht.

Jetzt werd ich dem Beispiel der Jungs auch mal folgen, morgen will ich dann mal schauen, ob Tokyo tatsächlich am Meer liegt, bisher hab ich davon nämlich noch gar nix mitgekriegt.

2.11.05

Shee-boo-ya!

Ich glaube man sollte wirklich keinen Urlaub in Tokyo machen, wenn man gerne Klamotten einkauft, egal was für welche. Habe mich heute zwischen Shibuya, Harajuku und Shinjuku bewegt und da gab es einige Möglichkeiten einiges an Geld zu lassen. Als ich also von Shibuya meinen Weg nach Harajuku gefunden hab (erstmal natürlich prompt in die falsche Richtung gelaufen, aber nur so lernt man eine Stadt kennen) hab ich mich erstmal in die Harajuku St. begeben:


Man beachte: auch in Japan ist Birkenstock sehr beliebt. Die Harajuku St. ist voll von schicken Klamottenläden, seien es kleine Designerlabels oder Second-Hand. Ich war zum Beispiel in einem T-Shirtladen, sehr coole Designs, aber jedes Shirt ab 5000 Yen (ca. 35 Euro) aufwärts und irgendwie hab ich ja diese dämliche Hemmschwelle. Dabei gab es zum Beispiel ein sehr lustiges Shirt auf dem zu lesen war: "Mannschaft Japan - Glück!", ein Supportershirt für die WM bei uns im nächsten Jahr.

Apropos Preise, neue Sneaker kosten hier meistens sowas um die 10.000 Yen herum, sprich grad mal paarundsiebzig Euro. Eigentlich brauch ich ja noch neue Schuhe...

In der Nähe der Harajuku St. ist auch die Design Festa Gallerie zu finden. Ein ehemaliges Appartmentgebäude, das jetzt genutzt wird, damit junge Künstler ihre Werke ausstellen können. Das Gebäude ist von aussen schon ein Kunstwerk:

In einem Appartment stellte zum Beispiel ein Mädel ihre schicken Make-Upprothesen für fiese Krankheiten und Verletzungen aus. Eitrige Pusteln, abgeschnittene Finger, Zombieoutfits usw. Nebenan gab es dann Fotos zu sehen, nebenan bunte Gemälde, wie dieses zum Beispiel:



Es gab noch viel mehr zu sehen, viele kleine Bilder im Postkartenformat, vom Scherenschnitt über kleine Bildergeschichten und andere Zeichnungen. Das ganze kostet auch keinen Eintritt, wenn man mal in der Gegend ist und sich für sowas interessiert auf jeden Fall mal hingehen.

Direkt gegenüber vom Eingang der Harajuku St. liegt Takeshita-douri, auch eine Einkaufsstraße, aber mit weit mehr Massenmarktappeal. Und dementsprechend dichter war dann auch die Menschenmasse dort. Viele schniecke Mädels, aber auch die üblichen Schuluniformen und Typen in Anzügen.

Dann wollte ich mich eigentlich "einfach" nach Shinjuku aufmachen, aber ... naja, mal einfach hier in die Straße eingebogen und ich wußte nicht mehr so ganz wo ich bin. Ist schon lustiges, man biegt von einer proppenvollen Straße ab und plötzlich ist kaum noch einer auf der Straße. Dank meines großartigen Orientierungssinnes hab ich es dann aber trotzdem noch geschafft und war einmal wieder auf dem richtigen Weg.

[kurze Unterbrechung]

Hmm, hier läuft grad "Ai no Uta" im TV, das erste mal das ich ein Drama, das ich sonst nur aus dem Internet kenne in echt sehe. Sieht aber auf einmal viel billiger aus. Macht das Breitwandformat soviel aus?

[Unterbrechung beendet]

Mittlerweile war es schon dunkel geworden, aber das ist genau richtig, denn Shinjuku hat vor allem eins: viel Neon...


Ich hab auch mal ein kleines Video gedreht, aber ich glaub das muss ich erstmal zurechtmachen. Später, also!

Das beste war dann, als ich von einer vollen Fußgängerzone mal rechts abgebogen bin, anstatt links, wie sonst alle anderen... bin ich wohl in einer viertel-vor-Rotlichtviertel-Straße gelandet. Ein Typ labert mich ab, ich nur "Huh? Wakarimasen!", er dann "Seksu! Seksu!"... naja, da kauf ich mir eher ein Shirt für 35 Euro, anstatt in einer dunklen Gasse für Sex zu zahlen.

Morgen ist Kulturtag, ein Feiertag in Japan. Mal sehen was sich für eine Veranstaltung findet, ich hoffe mal, das ich Mariko noch erreiche und sie was gutes kennt.

Ein paar Alltäglichkeiten

Zum Thema Fernsehen...

Auf MTV laufen hier doch tatsächlich fast nur Musikvideos! Wahnsinn! Als ich Mariko gestern erzählte, das in Europa auf MTV fast kaum noch Musik läuft war sie dezent überrascht. Ach ja, und Klingeltonwerbung hab ich bisher noch keine gesehen. Das nenn ich Urlaub :)

Zum Thema U-Bahn...

U-Bahnfahren ist hier wirklich kinderleicht, wenn man es verstanden hat, was auch nicht so kompliziert ist. Häufig gibt es die Ansagen zweisprachig und die Schilder sind auch in den meisten Fällen englisch beschriftet. Die Verbindungen sind ziemlich gut, bisher musste ich nie länger als 5 Minuten auf eine Bahn warten. Vielleicht hatte ich auch nur Glück? Der Nachteil ist nur, dass die Bahnen maximal bis Mitternacht fahren. Aber bisher hab ich schon tagsüber soviel gemacht, dass ich eh nie länger wachbleiben konnte.

Zum Thema Japaner und Englisch...

Lustige Erlebnisse gibt es immer wieder, wenn Japaner entscheiden müssen, ob "r" oder "l" richtig ist. Zum Beispiel sagte Mariko mir morgens mal bezüglich des Wetters, dass es draußen "crowdy" sei. Oder als sie mir die Geheimnummer für das Handy aufschrieb, schrieb sie erstmal "Rock No.". Sehr niedlich.

Macht doch jeder...

Gestern hab ich auch mal das erledigt, was wohl jeder anguckt, der als Tourist nach Tokyo kommt: den Kaiserpalast. Oder besser gesagt, das bißchen was man davon zu sehen kriegt. Für die, die es nicht wussten: man kommt bis zu einer Brücke, die zum Palast führt und ab da ist für Touris Feierabend. Aber damit man wenigstens was zum Vorzeigen braucht, darf man ein Foto machen und das sieht dann so aus:


Mehr gibt's vom eigentlichen Palast nicht zu sehen. Dafür ist das ganze Gelände ziemlich groß, man kann drumherum laufen und sich so schicke Eingangstore angucken:


Oder man geht ein bißchen im kaiserlichen Garten spazieren. Sehr angenehm, besonders wenn man bedenkt, dass auf der anderen Straßenseite das Großstadtleben brummt.



Aber da soviel Ruhe, Schönheit und so'ne Sachen mit der Zeit auch langweilig werden, hab ich mich mal Richtung Roppongi aufgemacht, wo ich mich am Abend noch mit Mariko treffen wollte. Da ich ja vorher noch nie in Roppongi war, brauchten wir einen markanten Treffpunkt und am markantesten ist wohl diese schicke Spinne, die vor dem Entertainment Komplex "Roppongi Hills" steht:


"Roppongi Hills" ist vermutlich der Traum für jede Frau, die gerne Designerkram kauft (sofern sie das entsprechende Geld dafür hat...) oder überhaupt für Schaufenster gucken. Ansonsten gibt es in "Roppongi Hills" noch Restaurants, Kinos, Museen, Hotels etc. pp. Das ganze ist allerdings ziemlich steril, wie so ein Einkaufszentrum auf gehobenen Level halt ist.

Die anderen Ecken von Roppongi sind da schon wesentlich interessanter und lebhafter. Ich war zwar nicht in irgendwelchen Discos oder irgendwelchen zwielichtigen Etablissements, aber es reicht schon mal einfach die Straße entlangzugehen. Ohne Ende Restaurants, Clubs, Pubs usw. Mariko und ich sind dann in ein Izakaya eingekehrt, ne Mischung aus Kneipe und Restaurant würde ich mal sagen. Da hab ich dann zum ersten Mal Salat mit Stäbchen gegessen. Und Gyoza, das sind gefüllte frittierte Teigtaschen, kommen ursprünglich aus China. Lecker!

Probleme bereitete allerdings die Bestellung von Bier. Man hatte die Auswahl zwischen diversen Mischungsverhältnissen... ich hab der einfachheithalber mal 50:50 genommen. Das was ich dann bekommen hab, erinnerte ein wenig an Guinness.

Wir sind danach noch ein wenig durch die Gegend spaziert, aber um zehn war ich dann so müde, das wir uns wieder Richtung Heimat aufmachten. Ich war dann auch so geschafft, das ich fast 10 Stunden geschlafen habe. Jetzt bin ich auch fertig mit Frühstück und werde mich mal aufmachen Richtung Harajuku. Fashionvictims gucken und Designeraustellungen besuchen...

1.11.05

Wir haben doch keine Zeit!

Erstens: ich bin faul. Zweitens: ich hab keine Zeit. Also, anstatt die Bilder grad hier in den Blog einzubinden, hab ich ne Gallerie erstellt.

Jetzt mach ich mich mal wieder auf in die Innenstadt. Mehr später!

Bilder gibts erst später...

Ich hab zwar schon Bilder hochgeladen, aber ich bin jetzt zu müde die noch zu verlinken. Gibt's dann morgen. Und dann auch Sounds.

Hier im TV sieht man grad übrigens einen Lack und Ledertypen mit seinem extrem exibitionistischen Sklaven. Der springt nackt ins Publikum. Großer Spaß. Danke Japaner, für's bekloppt sein!

Ha, ich hab schon November und ihr noch nicht!

Ach, mir fällt noch was ein... auf dem "Akihabara Building" stand dick "Danke" drauf. Warum weiss ich noch nicht, Foto hab ich leider auch nicht, war schon zu dunkel. Aber sehr nett, sich einfach mal so zu bedanken.

31.10.05

Auf Densha Otokos Spuren

Puh, mir tun die Beine weh. Heute bin ich wieder viel rumgelaufen. Weil ich aber soviel Zeit mit Bad austesten (die sanitären Anlagen: wenn ihr mit Campingplatzduschen Probleme habt, ist das nichts für euch! Ist aber der einzige Haken hier.) und mal die Gegend erforschen verbracht habe, habe ich es am Ende auch "nur" nach Akihabara geschafft. Die Umgebung von meiner Unterkunft ist relativ ruhig, hat was von Vorort. Ich konnte kleine Kinder beim Schulsport bewundern und die Eltern beim Umgebung sauber halten. Das hab ich heute morgen schon gesehen, vor einer Schule fegten die Eltern das Herbstlaub vom Bürgersteig. Hier in der Gegend standen in einer Wohnsiedlung auch zwei Klappboxen an der Straße, worin an diversen Wochentagen von diversen Anwohnern diverser Müll aufgesammelt wird. Hier sorgt man doch recht genau auf die Sauberkeit in seiner Nachbarschaft.

Was ich heute auch gesehen hab, waren Kleinkindergruppen (so ganz frühes Kindergartenalter, also so um die 3) die in der Stadt unterwegs waren. Alle ausgestattet mit gleichfarbigen Hüten. Eine Gruppe wurde von den Erzieherinnen sozusagen an der Leine ausgeführt. Vorne und hinten hielt jeweils eine Erzieherin das Seil fest und die Kinder hielten sich brav am Seil fest und folgten im Gänsemarsch. Eine andere Gruppe wurde in eine Art Einkaufswagen ausgeführt. So ne Art größerer Bollerwagen mit Sitzbänken drin. Und alle Kinder schön brav...

Ich hab es übrigens geschafft, ein Mobiltelefon zu kriegen. Mariko hat mir ihr altes veerbt und so brauchte ich nur noch ein Prepaid-Konto. Das läuft zwar auf ihren Namen (hab ja keine feste Wohnstätte), aber ist ja wurscht. Theoretisch könntet ihr mich damit vermutlich anrufen, aber ich will nicht wissen, was das kostet. Euch könnte ich allerdings anrufen... aber ich hab keine Telefonnummern im Kopp... Außerdem geht dann alle 6 Sek. eine Einheit á 20 Yen drauf. Wer rechnet mir mal kurz aus, wie schnell dann meine 3300 Yen Guthaben weg sind? Ist schon so spät.

Wie gesagt habe ich es dann heute noch nach Akihabara geschafft. Allerdings nicht ohne Auswege, als ich aus der U-Bahnstation raus bin, lief ich natürlich erstmal prompt in die falsche Richtung. Was aber nicht weiter schlimm war, denn dadurch bin ich durch Zufall auf den Tokyo Dome gestoßen. "Densha Otoko"-Gucker kennen vielleicht den großen Fernseher vor dem Ding. Auf dem Gelände gibts auch einen Vergnügungspark. Aber dafür war ich ja nicht hier, den Weg nach Akiba hab ich dann auch noch gefunden.

Dort angekommen gehen allen Technikfreunden die Augen über. Hier gibt es wirklich alles. Sei es kleinste Bauteile, diverse Prüfgeräte, Riesenfernseher, Kamera, Videospiele, Kabel, MP3-Player... es gab so viel zu gucken, mir fingen fast die Augen an zu bluten. Ich kam dann auch nicht drumherum, etwas Geld da zu lassen. Fernbedienung und In-Ohr-Kopfhörer für meinen Ipod, ein Steckeradapter, damit ich diese dusslige geerdeten Stecker in die simpel Steckdosen hier kriege... und ich hab auch einen 100-Yen-Laden gefunden, der Schlappen zum Verkauf hatte. Allerdings hätte ich die nicht gebraucht, denn wie ich vorhin feststellen durfte, haben die vorherigen Bewohner dieses Appartment alle ihre Schluffen (auf Japanisch: Slippa!) da gelassen. Wie gesagt, es gab unglaublich viel zu sehen, aber irgendwann war wirklich genug und ich bin Richtung Heimat aufgebrochen. Unterwegs noch eine Box Sushi und eine Flasche Tee für's Abendessen gekauft.

Kurz nach mir trafen dann auch meine Mitbewohner ein, zwei Spanier, die kurz vor dem Ende ihrer Tour stehen. Die haben das hinter sich, was ich noch vor habe. Sehr nett die beiden, der eine spricht zwar kaum Englisch, aber mit dem anderen (Namen? Äh... ja...) gehts voll in Ordnung. Wir haben bis eben gemeinsam zu Abend gegessen und was japanisches TV geguckt (momentan läuft ein japanischer Musiksender). Die beiden sind aber schon ins Bett, weil sie a) fix und fertig sind und b) auch einiges vorhaben.

So, und da ich das jetzt mit dem Internet endlich rausgefunden habe, stelle ich den ganzen Schmonzes der sich hier gesammelt hat mal online und dann gehts auch für mich ins Bett. Ach ja: Jetlag, ist kein Problem. Scheint wohl eher ein "Richtung Westen"-Problem zu sein, ich bin mal gespannt wie es wird, wenn ich wieder heimkomme...

Neue Heimat

Ich habs geschafft, ich hab mein neues zu Hause gefunden. War auch ziemlich einfach, sehr niedlich hier alles in ... herrje, der Name von dem Stadtteil hier ist so lang... Takashimadaira. Auf der kleinen Straße, die von der Haltestelle zum "Hotel" führt, spielt ständig eine niedliche Melodie. Zum Thema Unterkunft, ich habe ein kleines Zimmer in einem 5-stöckigen Gebäude. Küche und Bad werden gemeinsam genutzt, es wohnen noch 3 andere hier, bisher habe ich noch niemanden kennengelernt von denen. Gleich will ich erst mal das Bad austesten und versuchen rauszufinden, wie ich hier ins Internet komme. Bisher hab ich nämlich alles nur vorgeschrieben... Das Bett scheint auch lang genug zu sein, alles in Ordnung, wenn man nicht so hohe Ansprüche hat. Und für den Preis in Tokio eh unschlagbar. Nur halt ein bißchen auswärts. Ich mess nachher mal nach wie weit, wenn ich Richtung Tokyo Station fahre. Will mal Kaiserpalast gucken und Akihabara. Ich hoffe dort finde ich auch einen vernünftigen Stromadapter, sonst bin ich ziemlich aufgeschmissen.

Die letzte Nacht hab ich sehr gut geschlafen, der Jetlag setzt mir nur wirklich sehr wenig zu, glücklicherweise. Das Frühstück, das Mutter Ishikawa aufgetischt hab, war traditionell japanisch, Misosuppe, Reis, geschredderten Fisch, eingelegtes Seegras, Rührei. Lecker alles, sicherlich für einige von euch gewöhnungsbedürftig. Auf jeden Fall macht es ordentlich satt.

Jetzt mach ich mich erstmal frisch, dann gehts raus, erstmal 100-Yen-Shop angucken (ich brauche Hausschuhe!) und dann Richtung Innenstadt. Jaa ne!

30.10.05

Geschafft! Ich bin da!

Wetterbericht Tokio: bunt gemischt, mal bewölkt, mal sonnig, aber so um die 20 Grad herum. Jetzt bin ich also wirklich hier. Nachdem ich nach der Köln-München-Beinahekatastrophe schon fast mit dem schlimmsten gerechnet habe (Gepäckverlust, die Zöllner lassen mich nicht rein usw.) lief alles wunderbar glatt. Zwar sass neben mir die ganze Zeit nur eine Mittvierziger Ingenieurin (die auch so aussah, ich mein, wär trägt denn heute noch karierte Flanellhemden?), es gab kein Inseatentertainment (that's Economyclass for you!), die Filme waren eh mau, schlafen war wie befürchtet nicht so einfach (hab's glaube ich auf 3 Stunden gebracht), hie und da ein paar Turbulenzen, aber am Ende dann ganz sicher in Tokio gelandet. Raus aus dem Flieger, erstmal ein japanisches Klo begutachtet (man kann durch das Klopapier tatsächlich locker Zeitung lesen), dann zum Zoll, relativ flott da durch und bei der Gepäckausgabe wartete auch schon mein Rucksack auf mich. Draußen in der Empfangshalle wartete dann auch wie versprochen Mariko auf mich, bei deren Familie ich heute meine Nacht verbringe. Also erstmal das Gepäck heimbringen. Rein in den Zug. Mein erster Ticketkauf, wenn man weiss, wie es funktioniert, ist es wirklich kinderleicht. Mittlerweile hab ich mir übrigens so ne Art U-Bahn-Prepaidkarte geholt, auf der doch tatsächlich der Kölner Dom zu sehen ist. Fußball-WM, ick hör dir trapsen.Vom Bahnhof dann von Marikos Vater abgeholt und dann gings zur Ishikawa-Residenz. Dort dann noch Frau Muttern und die kleine Schwester (naja, die ist auch schon 23) Saori kennengelernt. Und weil der arme Junge im Flieger ja nix zu futtern gekriegt hat (ja, genau...) gab's erstmal Spaghetti-Japanstyle und gebratene Nudeln. Super nette Familie!

Ach ja, als ich dann mal das Klo betrat, gabs ne kleine Überraschung. Tatsächlich eins dieser Klos mit vielen Knöppen. Erstmal wird der Sitz beim Draufsetzen von alleine warm und dann kann man sich nach erledigten Geschäft noch zwei Arten von ... Reinigungsduschen auswählen. Super Sache, wenn man erstmal weiss, welcher Knopf für was ist. Auch super: die Kombination aus Spülung auffüllen und Handwaschmöglichkeit. Wohl als gewissensberuhigender Ausgleich zur Energierverschwendung für die warme Klobrille.

Dann hieß es also nach Erfrischung und Stärkung: was nun? Da ich mir eh ein Prepaid-Handy dort kaufen wollte, erstmal raus zu den Phoneshops. Aber nix da: hast du keine Adresse hier, gibts wohl auch nix. Aber wir sind ja nicht doof, Mariko macht das auf ihren Namen und ich krieg das Handy (morgen erst). Saori ist mittlerweile zu uns gestoßen und so begeben wir uns mal auf nach Asakusa, da gibts einen dicken Tempel zu sehen. Aber vor dem Tempel wartet eine Straße, die scheinbar jede Fress- und Souvenierbude aufbietet. Falls ich am letzten Tag noch was brauche, fahr ich einfach hier hin...

Beim Tempel angekommen lerne ich dann, warum man sich Rauch auf den Kopf weht (macht schlau!), sich mit Wasser die Finger wäscht (reinigt überraschenderweise) und das man hier für's beten bezahlt. Aber schon imposant, das Ding. Wenn auch, klar, wir haben ja Sonntag, proppenvoll mit Touristen. Also runter zum Fluß, der Sumida-gawa heißt. Hier gibt es wohl im Sommer ein schicket dicket Feuerwerk. Jetzt sieht es nur wie ein Fluß aus. Dafür steht da aber ein Hochhaus der japanischen Brauerei Asahi, welches aussieht wie ein gut gezapftes Kölsch und direkt daneben ein schwarzer Klotz mit etwas drauf, was eine goldene Flamme darstellen soll, aber eher wie ein... urteil selber.

Da noch Zeit bis zum Abendessen blieb, entschieden wir uns noch flott mal in Uedo vorbeizuschauen, wo es einen großen Park gibt. Na gut, groß schon, aber sauber geht auch anders. Dafür gabs auf einem Konzertgelände im Park japanischen Freestyle zu belauschen. Wieder raus aus dem Park und rein in eine Straße namens Ameyoko-cho. Eigentlich sollte man eher sagen "Schnäppchenparadies", was es da alles gibt für (relativ) wenig Geld, meine Herren. Schicke Sneaker, die man zu Hause in Doitsu bestimmt nicht kriegt für nicht mal 9000 Yen. Aber ich bin ja nicht zum Schuhekaufen hier. Am Ende der Straße schauen wir noch in einen Laden rein, der sich auf diverses Spielzeug spezialiert hat. Da schlägt das Sammlerherz aber sowas von höher. Zum Beispiel eine ganze Sektion für "Nightmare before Christmas" gewidmet. Und zu meiner Überraschung fand ich dann noch ein Plakat mit der "Maus" (ja, "die" Maus!) in dem Laden. Da musste ich Mariko und Saori natürlich in meiner Funktion als Kulturbotschafter erst einmal vermitteln, worum es denn da geht. Die Mädels schwer begeistert ("Kawaiiii!") und wir finden dann tatsächlich auch noch diversen Maus-Merchandise. Saori kauft sich eine Vibrationsmaus (keine Ahnung warum die das macht...) und wir verlassen den Laden wieder.

Es wird langsam Zeit wieder nach Hause zurückzukehren, denn Muttern wartet dort mit dem Abendessen (jawoll, Papa geht arbeiten und Mutter steht scheinbar den ganzen Tag am Herd). Es wird dick aufgetischt, Sashimi (roher Fisch), Rindfleisch und diverse Gemüse in der Pfanne gebrutschelt (das hat auch einen tollen jap. Namen, der ist mir nur leider entfallen), Tempura (diverser Kram frittiert), japanisches Bier und zum Schluß noch einen japanischen Whiskey. Dazu Gespräche über Gott und die Welt, in einem Mischmasch von englisch und japanisch. Sehr sehr netter Abend! Und jetzt lieg ich auf meinem Futon und werde mal schlafen, schließlich müssen wir morgen früh raus, das Handy klarmachen und dann noch zum neuen Hotel am anderen Ende der Stadt fahren. Gute Nacht!

29.10.05

Ne parle pas de malheur!

Neues aus der Kategorie "Nicht den Teufel an die Wand malen". Keine 10 Minuten, nachdem ich gehofft hatte alles möge glattlaufen trat auch prompt das Gegenteil ein. Angesichts der Tatsache ein gutes Dutzend Stunden vor mir zu haben, die ich im Sitzen verbringen werde, dachte ich mir es wäre mal ganz sinnvoll sich ein Ründchen die Beine zu vertreten. Bei diesem Spaziergang fiel mein Blick auf die Abflugszeitenanzeigetafel. Und da war zu lesen, dass mein Flug nach München annuliert worden sei. Zuerst dachte ich an einen Anzeigefehler, also mal schnell die nächste Anzeigetafel gesucht. Da war aber auch das gleiche zu lesen. Der nächste Gang ging dann zum Lufthansa-Infostand, wo man mich schon erwartete und mir mein Ticket für den Flug in die Hand drückte, der eine Viertel Stunde später schon von Köln abhob. Schwein gehabt. Jetzt bin ich schon etwas früher hier in München, muss mir hier aber dafür dann länger die Zeit totschlagen. Ich hoffe nur, die kriegen das mit meinem Gepäck auf die Reihe...

Übrigens: all die, die ihr euch am wundervollen goldenen Oktober erfreut, hier in München ist der Herbst noch richtig Herbst. Zumindest was das ermüdend graue Nebelsuppenwetter angeht. Der nächste Wetterbericht erfolgt dann aus Tokio.

Warten auf ...

Jetzt sitze ich hier im Wartebereich des Flughafens (erste Etappe: Köln-München) und was macht man im Wartebereich? Natürlich warten. Und gucken, ob beim Sicherheitscheck nicht irgendwas auf der Festplatte flötengegangen ist. Sieht aber gut aus. Hoffentlich läuft auch weiterhin alles so glatt.

Kleiner Spaß am Rande: auf meiner Boardingkarte steht tatsächlich über meinem Namen "Doc". Woher wissen die das... Illuminaten!

28.10.05

Die Dusche bleibt zu Hause

So, einen Arbeitstag muss ich noch hinter mich bringen. Der Rucksack ist fast gepackt, es sind noch Entscheidungen zu treffen, was muss mit, was bleibt hier. Bisher schwerste Entscheidung: die Nasendusche bleibt hier! Mal sehen ob mein empfindliches Näschen auch 3 Wochen ohne auskommt.