11.1.13

Tokyo von ganz oben

Alle waren früh wach heute morgen, ein Blick aus dem Fenster zeigte schönstes Winterwetter (klarer blauer Himmel), also beschlossen wir kurzerhand: heute geht es rauf auf den Skytree! Der Tokyo Skytree ist mit 634 Metern das höchste Gebäude Japans und dürfte somit eine ziemlich gute Aussicht bieten (wobei die Aussichtsplattform auf "nur" 350 Metern Höhe ist).

Also rein in den Bus (die einfachste Verbindung von Nezu, und mit 200 Yen auch ziemlich günstig), der praktischerweise so ziemlich genau vor dem Eingang hielt. Rein in den Großkomplex am Fuße des Skytree, bzw. ein paar Rolltreppen rauf, vorbei an Restaurants und Souvenirläden, rein zum Ticketschalter... wo uns natürlich eine lange Warteschlange erwartete (wir waren um 11 Uhr da). Aber mit 20 Minuten Wartezeit konnte man leben, währenddessen konnte man sich ein superdetailliert gezeichnetes und animiertes Diorama ansehen, bei dem man sich schon mal einen Eindruck verschaffen konnte, was es von oben zu sehen geben wird.

Die Tickets für die Fahrt zur Aussichtsebene sind nicht gerade günstig, ein Erwachsener darf 2000 Yen berappen. Wer noch auf die noch ein paar Meter höher gelegene "Aussichts-Spirale" möchte, darf nochmal 1000 Yen mehr berappen, aber das haben wir uns dann gespart. Danach ging es dann gleich zum Aufzug, wo uns die nächste Warteschlange erwartete, allerdings mit deutlich weniger Wartezeit. Der Aufzug, der uns dann zugeteilt wurde, hatte das Thema "Herbst", war innen komplett schwarz und war mit goldenen Reliefs verziert, die an die tragbaren Mikoshi-Schreine erinnern, die zu den Matsuri-Paraden durch die Straßen getragen werden. Der Aufzug hatte ein ziemliches Tempo drauf, ich glaube irgendwas mit 60m/sec. Als sich dann oben die Türen öffnen erwartete uns ein großartige Aussicht... auf viele Rücken... klar, wir waren nicht die einzigen. Als wir uns dann ans Fenster vorgearbeitet haben (gar nicht so einfach, wenn man mit Kinderwagen unterwegs ist), gab es dann tatsächlich die erwartete großartige Aussicht...

und ganz klar, da wo sich die meisten Menschen am Fenster versammelten, gab es noch den Blick auf den Fuji-san mit dazu. Besser konnte man es wohl kaum erwischen.

Zwischen den Reisegruppen und Schulausflüglern wurde das ganze allerdings (durch die erwähnte Begleitung) etwas stressig. Allerdings mit jeder Ebene, die man zum "Rückkeraufzug" runter ging, dann wesentlich entspannter, die Aussicht zu genießen und zu überlegen, was denn jetzt genau wo zu sehen ist und ob das eigene Haus zu finden ist (eher schwierig aus der Höhe).

Als wir wieder unten waren (leider wieder im gleichen Aufzug, ich hätte gerne mal einen der anderen gesehen), gingen wir noch etwas in der Gegend spazieren (natürlich auf der Suche nach etwas essbarem) und konnten von da aus nochmal den Skytree in seiner ganzen Größe betrachten.

Fazit: wie bei den meisten Aussichtspunkte dieser Art - wenn's Wetter gut ist und es unter der Woche ist (und vielleicht etwas früher am Tag), durchaus einen Besuch wert. Vor allem kriegt man auch mal Teile Tokyos zu sehen, die vom Tokyo Tower oder dem Rathaus in Shinjuku eher verborgen bleiben.

(Ich hätte übrigens gerne noch ein paar andere Fotos mit eingebunden, aber leider stürzt die Blogsoftware ständig ab, wenn ich versuche, Fotos aus dem iPad-Fotoordner auszuwählen. Gnarf...)

10.1.13

Ich und der Kugelfisch

Er darf in keiner Reportage über Essensgewohnheiten in Japan fehlen: der Fugu aka Kugelfisch. Der tödlich giftige, der nur von Profis zubereitet werden darf, die sich nach jahrelanger Quälerei ein Zubereitungserlaubniszertifikat erarbeitet haben. Sozusagen ein Extremsport im Gourmetbereich. Und wie sich das für einen ordentlichen Extremsport gehört, geht regelmäßig auch ein Fuguesser beim Genuß dieser Besonderheit bei drauf (vermutlich, weil er bei jemandem gegessen hat, der kein Zertifikat hat...). Gestern war es dann soweit: ich habe den Helm aufgesetzt, den Fallschirm angeschnallt und bin gesprungen. Da ich die Zeilen hier noch tippen kann, habe ich offensichtlich überlebt.

Das Restaurant sei nur die Filiale einer Kette, sagte meine Frau vorher noch. Wenn allerdings jede Restaurantkette so wundervoll eingerichtet wäre, würden wir in einer besseren Welt leben: schlichtes klassisch-japanisches Interieur, separate Zimmer, man kam sich vor wie in einer traditionellen Herberge. Der Einfachheit halber hatten wir ein festgelegtes Menu bestellt, Fugu, in allen möglichen Variationen. Genug also der Schwaflerei, hier jetzt Gang für Gang in voller Pracht (gut, den Geschmack müsst ihr euch natürlich denken...)!

Zur Eröffnung gab es Fuguhaut in Fuguaspik, dazu Yuba (Tofuhaut) in Sesamsoße.

Als nächstes Fugu in seiner wohl bekanntesten Form, roh und hauchdünn geschnitten. Fugu hat übrigens festes Fleisch, dafür dass das Fleisch so dünn geschnitten ist, hat es deutlich Biss.

Es folgte gebratener Fugu als Sushi, also auf Reis...

und Fugu frittiert...

Als Höhepunkt Fugueintopf, Fugu"rippchen" in Fugubrühe mit Gemüse...

Dazu gab es übrigens Sake, der in einer Bambuskaraffe gereicht und aus Bambusbechern getrunken wurde. Ach ja, und der hervorragend schmeckte...

Das was vom Fugueintopf an Brühe übrig blieb, wurde dann mit Reis und Ei zu einer Art Risotto gekocht. Großartig!

Als Dessert gab es dann doch noch etwas Fugufreies, Sojamilcheis mit schwarzem Zuckersirup und Kinako (Sojabohnenmehl, schmeckt erdnussig). Foto gibt's davon nicht.

Alles in allem ein sehr leckeres Essen! Weniger großartig war leider, dass der Zeitpunkt des Essens mit dem Zeitpunkt der Schlafenszeit unserer Tochter kollidierte. Die war zu Beginn noch gut drauf, dann überdreht und dann so übermüdet, dass sie nicht einschlafen konnte, auch wenn vom Restaurant ein kleines Kinderbett zu Verfügung gestellt wurde. Auch wenn die Schwiegermutter sich mal dem Kind annahm und eine Runde spazieren ging, artete das Ganze dann doch in Streß aus, der leider den Genuß etwas erschwerte. Aber so ist das halt, wenn man mit Kleinkind unterwegs ist: planen kann man da gar nichts, man muss immer mit allem rechnen. Wie jetzt auch, das Kind verlangt nach Aufmerksamkeit, keine Zeit für langweilige Tipperei!

 

7.1.13

Dreamy...

Noch ein schönes Fundstück von der Neujahrsreise, eins dieser wunderschönen, fast philosophischen, Englischkreationen aus Japan:

 

Urlaub im Urlaub

Als ich einigen Leuten davon erzählte, dass wir für einige Zeit die Schwiegereltern in Japan besuchen, fragten die zurück, wie das denn mit der Strahlung sei, ob ich mir da keine Sorgen mache. Auch wenn Tokyo "nur" 250km vom Unglücksreaktor Fukushima Daiichi entfernt ist, sind meine Bedenken diesbezüglich allerdings gering. Die durch die Explosionen verursachten radioaktiven Partikel sind schwerpunktmäßig Richtung Nordwesten gezogen, also in die von Tokyo entgegengesetzte Richtung.

Warum ich das erzähle? Weil es mit der ganzen Familie nach Nasushiobara ging und das liegt in Norden der Präfektur Tochigi - die direkt an die Präfektur Fukushima grenzt. Also noch näher an "die Strahlung". Aber das Thema fand während der Reise nur einmal Erwähnung: als wir an einer Raststätte ein Schild sahen, an dem regelmäßig die aktuellen Strahlenwerte eingetragen werden. Bzw. wurden, denn der letzte Eintrag war offensichtlich schon etwas länger her und nicht mehr zu lesen. Vermutlich hat man es irgendwann einfach drangegeben, jeden Tag / Woche / Monat die gleichen (niedrigen) Werte einzutragen.

Wie auch immer: Ziel der Reise war Shiobara Onsen, einer dieser Orte, die von heißen Quellen und den davon angelockten Badegästen leben. Das Hotel, in dem wir untergebracht waren, ist eine Art "Familienhotel". Als wir nach rund halbstündiger Fahrt mit dem Shuttlebus vom Bahnhof am Hotel ankamen, ging es zum Check-in erstmal in die Lobby... wo vermutlich schon ein paar Dutzend andere Familien gerade angekommen waren und erstmal einchecken mussten. Es wurde heiße Suppe zur Begrüßung gereicht, verkleidete Angestellte kündigten diverse Veranstaltungen an, Kinder liefen kreuz und quer - kurz gesagt, es ging ziemlich lebhaft zu.

Nach dem Check-in ging es erst mal auf die Zimmer, wofür wir in ein anderes der insgesamt drei Gebäude gehen mussten. Das ganze Hotel hatte sein allerbesten Tage schon hinter sich, ich gehe mal schwer davon aus, dass es auf dem Höhepunkt der japanischen Bubbleeconomy Ende der 80er / Anfang der 90er gebaut wurde. Aber wir auch immer, das Zimmer war geräumigst, die Betten okay und die Klobrille beheizt.

Zum Abendessen ging es dann in den Essenssaal. Der wirkte aber eher wie eine Unimensa oder die Kantine eines Riesenkonzerns. Es gab ein Buffet mit Riesenauswahl, typisch japanisches wie Sushi, Sashimi und Reis, eine Salatbar, Steaks, Desserts und und und. Klar, wenn für so eine Riesenmenge an Menschen gekocht wird, ist es mit der Qualität nicht unbedingt zum allerbesten bestellt, aber es ging schon alles durchaus in Ordnung.

Beim Frühstück übrigens das gleiche Spiel, auch mit so ziemlich allem, was man sich so an Essbarem zum Frühstück vorstellen kann. Wieder mit Anstehen und irgendwann in einer riesigen Menschenmenge Platz nehmen.

Am nächsten Tag haben wir uns dann einen Kleinbus ausgeliehen und sind ein bißchen durch die Gegend gekreuzt. Zunächst ging es mal zu Aeon, einem Supermarkt, um noch ein paar Besorgungen zu machen. Interessant fand ich da vor allem die Einkaufswagen für Kunden mit Kleinkind. Vorne sah das aus wie ein Buggy mit Schalensitz, hinten gab es Platz für einen Einkaufskorb. Die würde ich auch in Deutschland gerne sehen, aber scheinbar brauchen wir ja immer die Riesendinger für den Monatseinkauf...

Weil es inzwischen schon Mittag geworden war, war natürlich auch Zeit zum Essen. In einem Restaurant das Teil einer ... ich würde mal sagen "Vergnügungsfarm" (also ein Bauernhof mit jeder Menge Kinderbespaßung) ist, gab es "Dschingis Khan"-All you can eat, ein Gericht, bei dem Weißkohl, Sojabohnensprossen, Frühlingszwieblen und Lammfleisch auf einem gewölbten Eisen gegrillt wird. Und weil's so viel Spaß macht, grillt man auch selber am Tisch. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn wenn man mit der Temperatur nicht aufpasst, verkohlt einem das halbe Gemüse. Wie auch immer: lecker Essen!

Nach dem Abendessen an diesem Tag machte ich mich dann mal auf ins Bad. Also nicht in das Badezimmer in unserem Zimmer, sondern zu dem von heißen Quellen gespeisten, das für alle Hotelgäste zugänglich ist. Der Weg dahin war allerdings wahrlich nicht einfach: vom dritten Stock, wo unser Zimmer war, rauf in den fünften Stock, wo der Verbindungsgang zum Hauptgebäude war. Dort war ich dann im ersten Stock, von da musste ich dann runter ins Untergeschoß, wo der Verbindungsgang zum "Wellnessgebäude" zu finden war. In dem Gebäude kam ich dann im vierten Stock an... und musste erst mal (wie alle) meine Schlappen ausziehen, denn in dem Gebäude ging es nur barfuß weiter! Aber ich war ja noch immer nicht am Ziel, ich musste noch runter ins Untergeschoß... und war endlich angekommen! Dann das übliche japanische Badespiel, ausziehen, gründlich waschen und dann ab ins heiße Bad. Das war dann an der frischen (und sehr kalten) Luft. Es gab vier Bäder zur Auswahl, ein "normales" zum Sitzen, ein extraheißes, eins zum Stehen und eines mit "Strömung". Alles seeehr entspannend, der weite Weg hatte sich durchaus gelohnt.

Am nächsten Morgen gab es beim Blick aus dem Fenster eine Überraschung: es hatte geschneit. Nur ein bißchen, aber alles wie leicht gepudert.

Und nach Frühstück und Check-out hatte es auch nicht aufgehört. Bis der Zug Richtung Tokyo ging, hatten wir fast noch den ganzen Tag übrig, also wieder alle in den Bus und die Gegend erkundet. Es ging von Hängebrücken zu Raststätten mit Bauernmarkt, von Steakrestaurant zurück zum Supermarkt. Und dann war auch dieser Tag vorbei, alle müde und froh, den Shinkansen zu besteigen. Zurück in die Heimat, zurück nach Tokyo.

 

5.1.13

Akemashite omedetou!

Frohes neues Jahr! Ein bißchen spät, ich weiß, aber wie viele Geschäfte hier in Japan haben auch wir den Jahresbeginn mit einer kleinen Auszeit verbracht. Aber jetzt ist die Neujahrspause vorbei und das gibt mir Gelegenheit, einen kleinen Rückblick auf Silvester und Neujahr zu werfen.

Insgesamt geht der Jahreswechsel in Japan im Vergleich mit Deutschland doch (größtenteils) wesentlich ruhiger zu. Viel zu erledigen gibt es aber trotzdem: als ich am Silvestermorgen zum Frühstück ins Wohnzimmer kam, waren meine Schwiegereltern und mein Schwager schon fleißig mit dem "großen Putzen" beschäftigt. Da wird mehr oder weniger der Haushalt auf den Kopf gestellt und gründlich geputzt, zum Beispiel auch der Familienschrein aus und wieder eingeräumt und das Papier der Papierwände (sofern vorhanden) erneuert.

Das große Putzen ging dann auf dem Friedhof weiter. Mit der ganzen Familie ging es zum Familiengrab, das dann gründlich abgeschrubbt wurde und mit neuen Blumen und Räucherstäbchen geschmückt wurde. Nach der ganzen Arbeit musste natürlich etwas gegessen werden und das Gericht zum Jahreswechsel sind Sobanudeln (Soba = Buchweizen). Die stehen für ein langes und gesundes Leben, weil sie... äh... lang und gesund sind. Neulich hab ich im Fernsehen gesehen, dass sie früher auch Reichtum bringen sollten, weil die Vergolder früher die Blattgoldreste an ihrem Arbeitsplatz mit Klößen aus Sobateig aufgesammelt haben. Sofern ich das richtig verstanden habe ;-)

Apropos Klöße, zum Jahreswechsel gibt es auch so lustige Schneemann-ähnliche Türme aus zwei großen Mochiklößen (aus weichgeklopften Klebereis) und einer Mandarine oben drauf. Die Mochis kann man in entsprechenden Geschäften in verschiedenen Größen kaufen oder auch im Supermarkt als Fertigset.

Den Abend verbrachten wir dann mit der ganzen Familie vor dem Fernseher. An Silvester und Neujahr gibt es jede Menge extralange (5 Stunden und länger!) Ausgaben bekannter Sendungen und Sendungen, die nur zum Jahreswechsel laufen. Die "wichtigste" ist wohl der Kouhaku Uta Gassen ("Sangeswettstreit Rot vs Weiß"). Dort treten dann die größten Pop- und Schlagerstars Japans auf und singen überraschenderweise. Die Jungs bilden das weiße Team, die Mädels das rote. Am Schluß der Sendung entscheiden eine Jury und die Zuschauer, welches Team gewinnt, dieses Mal war es das weiße Team.

Währenddessen wurde natürlich gegessen, drei Etagen voller besonderer Kleinigkeiten, die es (normalerweise) nur zu diesem Anlass gibt. Das nennt sich Osechi und wird eigentlich an den drei ersten Tagen im neuen Jahr gegessen (weil man da nicht den Herd benutzen soll), aber weil wir uns in dieser Zeit auf eine kleine Reise aufgemacht haben (dazu mehr im nächsten Blogeintrag), wurde alles schon vorher verzehrt.

Um viertel vor Zwölf wird dann im Fernsehen von live von diversen Tempeln im ganzen Land berichtet, wo das neue Jahr im wahrsten Sinne des Wortes eingeläutet wird, mit den großen Tempelglocken. Nachdem wir dann auf das neue Jahr angestossen haben, ging es nochmal mit Kind und Kegel raus zum Schrein um die Ecke, dem Nezu-jinja (wo wir ich ja auch geheiratet habe), um für ein gutes Jahr zu beten. Wir waren natürlich nicht die einzigen, die das machen wollten, wir mussten ungefähr eine halbe Stunde anstehen, um unser Gebet zu den Göttern zu schicken.

Anschließend wurde noch das "Horoskop" für's nächste Jahr gezogen (ich habe ein "mittleres" Glück abbekommen) und ein Schälchen vom gesegneten Sake getrunken. Eigentlich wollten wir dann noch zu einem Tempel und die Tempelglocke läuten, aber wir waren leider zu spät dran und der Tempel nicht mehr geöffnet. Und so klang die Neujahrsnacht dann mit einem Spaziergang durch die kalte und sternenklare Nacht ab, ganz ohne Feuerwerk, Bleigießen und Raclette.

 

4.1.13

Was gibt's Neues in Asakusa?

Wie bei jeder Japanreise führt mich der erste Besuch nach Asakusa, zum Senso-ji. Dieses Mal allerdings zugegeben nicht am ersten Tag, ich war einfach total übermüdet und dazu regnete es auch noch Bindfäden. Aber am nächsten Tag zu gehen erwies sich dann auch als sinnvoll, da das Wetter wesentlich besser war. Also, was gibt's dort Neues im Vergleich zum letzten Mal? Vor allem das fertiggestellte Asakusa Tourist Information Center:

(leider habe ich im Trubel vergessen ein Foto zu machen, muss ich halt auf externe Kräfte setzen...)

Das Ding steht direkt am Kaminarimon, von wo es zum Senso-ji-Tempel geht und es auch die meisten Touristen gibt. Von daher schon mal 1A Lage ;-) Drinnen gibt's dann Informationen (natürlich), Toiletten, Wickelräume, Veranstaltungs- und Ausstellungsräume und ganz oben im siebten Stockwerk ein Café und eine Aussichtsplattform. Und von da hat man dann diesen Blick Richtung Skytree...
Und hier Richtung Senso-ji...
Ansonsten: viele Menschen, viel Geschäftigkeit, viel Tinnef für Touristen (aber zugegeben auch viele schöne Sachen).
Als es dann darum ging etwas zu essen, stellte sich heraus, dass so etwas mit "Baby an Bord" ja nicht so einfach ist. In eine der zahlreichen "Straßen-Kneipen" wollte meine Frau nicht mit dem Kind. Schlußendlich entschieden wir uns dann für Sushi. Was aber dann aber eher in abwechselndes Wrestling mit dem Kind und dem Versuch in Ruhe zu Essen resultierte. Schwierig, aber lecker. Aber diese Herausforderung steht uns ja in Zukunft noch öfter bevor. Keine Frage: diese Reise ist so oder so ganz anders als die bisherigen...
 

30.12.12

No Trouble in Little Edo

Übrigens auch ganz schick, nur früh am Morgen bis auf Restaurants eher wenig belebt: eine Ansammlung diverser Geschäfte im klassischen Edo-Look, im internationalen Terminal des Flughafens Haneda. Wenn man mal Zeit und Geld zu viel hat...

 

 

Reisen mit Baby

Diese Japanreise ist, obwohl es inzwischen schon die... vermutlich zehnte ist, eine Reise der ersten Male: erstes Mal länger als ein Monat (mehr als doppelt so viel nämlich), zum ersten Mal mit ANA geflogen, zum ersten Mal im Dreamliner (Boeing 787), zum ersten Mal Ankunft am Flughafen Haneda statt Narita, zum ersten Mal im Winter, zum ersten Mal zu Neujahr in Japan und natürlich zum ersten Mal mit Baby auf Reisen. Die Elternzeit wird sinnvoll genutzt, damit die Schwiegereltern ihr Enkelkind "in echt" statt per Skype zu Gesicht bekommen und meine Frau auch mal wieder die volle Ladung Familie und Heimat abbekommt.

Vor der Abreise machten wir uns bzgl. des Flugs jede Menge Sorgen: werden wir gute Plätze bekommen? Ist das Kind schon zu schwer für das Babybett (die nehmen bei ANA maximal 10kg schwere Kinder)? Bekommen wir Babynahrung und Medikamente ohne großen Stress durch die Sicherheitskontrollen? Wird das Kind überhaupt schlafen? Wird es nonstop schreien? usw. usf.

Am Ende war dann im Großen und Ganzen alles halb so schlimm, die Plätze waren 1A (ich konnte meine Beine komplett ausstrecken ohne an die Wand zu stossen...), mit 9kg ist das Kind gerade an der Grenze für's Bettchen, bei der Sicherheitskontrolle warf man nur einen kurzen Blick in die Babynahrungstasche, geschrien wurde auch nicht... nur mit dem Schlafen war das so eine Sache. Zwar verschlief das Kind den Start komplett, danach kamen auf den 10 Stunden Flug aber vielleicht noch maximal eine Stunde Schlaf dazu. Mit der Konsequenz, dass die Eltern irgendwann nervlich am Limit waren. Das gipfelte dann darin, das man es beim Versuch, das Kind per Milchzufuhr zum Schlafen zu überzeugen, es etwas zu sehr gut meinte und sich das Kind daraufhin ausgiebig übergab. Grosses Hallo im Flugzeug. Die sowieso den gesamten Flug über sehr freundlichen und hilfsbereiten Flugbegleiterinnen halfen uns aber nach Leibeskräften, so dass wir die letzten zwei Stunden des Fluges auch noch überlebten.

Nachdem wir dann im Morgengrauen in Tokyo gelandet und ohne Probleme durch Passkontrolle und Zoll gekommen waren, stellte sich die Frage, wie wir vom Flughafen am besten wegkommen. Von Narita ist es kein großes Problem nach Ueno (wo die Schwiegereltern wohnen) zu kommen, einfach in einen Zug rein und in Ueno raus. Von Haneda führen zwar viele Wege weg (Züge, Monorail, Bus und Taxi), aber keine direkt und vor allem günstig nach Ueno. Die einfachste Lösung war dann mit dem Bus zu Tokyo Station zu fahren, von wo wir dann ein Taxi nahmen, das uns dann bis vor die Haustür unserer Unterkunft für die nächsten Wochen brachte. Es war geschafft! Wir allerdings auch. Zum Glück macht der Zeitunterschied dem Kind offensichtlich weniger zu schaffen als uns, sie schläft die Nacht durch und am Tag gibt's auch nur die bisher üblichen Pausen. Von daher: mittlerweile sind wir alle schon viel entspannter! Zeit also etwas zu unternehmen, solange es das Wetter zulässt.

29.12.12

Die kleinen Dinge

Dinge, die man erst so richtig in kalten Winternächten in japanischen, schlecht isolierten Häusern zu schätzen lernt: beheizte Klobrillen.

6.12.12

Praktischer Helfer

Die Google Translate App für Android wird mittlerweile auch für die Übersetzung von Japanisch und Chinesisch immer praktischer. Konnte man bisher schon neben der Spracheingabe die gesuchten Wörter per Hand "malen", was ja schon ganz sinnvoll ist, wenn man vor einem unbekannten Kanji sitzt. Mit dem letzten Update der App wird die Sache noch einfacher: man kann den Text einfach abfotografieren und dann die gesuchten Wörter markieren. Die Texterkennung klappt dabei verblüffend gut, allerdings nur bei horizontal geschriebenem Text, was ein bisschen ungünstig ist, da im japanischen gedruckte Texte sehr häufig vertikal geschrieben (also von oben nach unten und das ganze dann von rechts nach links) ist. Was die Qualität der Übersetzung angeht, darf man natürlich keine Wunder erwarten, je komplizierter der zu übersetzende Satz ist, um so hoher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ziemliches Kauderwelsch dabei rauskommt. Insbesondere, da ja im japanischen gerne auch mal der ein oder andere Satzteil weggelassen wird ("Ein Verb? Du weißt doch was gemeint ist..."). Also noch viel Raum für Verbesserungen, aber dafür das es kostenlos ist ohne Frage äußerst nützlich.

 

8.6.12

Pop-Demokratie und stille Post

Ja, es gibt sicherlich wichtigeres als die "Frontfrauwahl" von AKB48, über das man momentan aus Japan berichten könnte (kommt als nächstes, versprochen). Aber schließlich hat das Thema sämtliche japanische Mainstreammedien in den letzten Tagen dominiert, da muss doch auch Spiegel Online seinen Beitrag dazu bringen. Und scheint dabei vor lauter junger, hübscher Mädchen auch mal gleich etwas durcheinander zu kommen und zwei, drei Dinge durcheinander zu bringen.

Aber mal von vorne, die kurze Zusammenfassung: AKB48 ist derzeit die Girlgroup in Japan, es gibt sehr viele Mitglieder (laut Wikipedia aktuell 64 an der Zahl) und man kann ihnen dementsprechend auch nicht entkommen. Sie sind wirklich überall, in Fernsehsendungen aller Art, in den Werbungen zwischen den Fernsehsendungen, auf Plakaten, in Zeitungen etc. pp. Nun gibt es jedes Jahr eine "allgemeine Wahl" (総選挙, Sousenkyo), bei der die Fans die Möglichkeit haben, aus den Mitgliedern ihre Favoritin zu bestimmen. Das geschieht allerdings nicht über einen Wahlzettel, statt dessen gibt man seine Stimme über den Kauf einer CD-Single, auf deren Cover sich ein Foto der Favoritin befindet (bzw. gibt es in der CD einen Code mit dem man dann online seine Stimme abgeben kann). Clevere Geschäftsidee, nicht wahr? Und so gab es, wie auch schon bei den letzten Wahlen, angeblich Fans mit offensichtlich eindeutig zu viel Geld, die sogar mehrere tausend CDs ihrer Favoritin gekauft haben.

Soweit steht das ja auch im Artikel bei SpOn, wie auch in dem Artikel bei Reuters, auf dem der SpOn-Artikel offensichtlich basiert (wobei beim Reuters-Artikel noch einiges mehr steht). Was aber der Autor bei Spiegel noch dazufantasiert hat, ist der Umstand, dass die diesjährige Gewinnerin Yuko Oshima als neues Mitglied in die Truppe gewählt wurde und dann auch noch gleich als Frontfrau. Dann frage ich mich allerdings, wie sie als "neues Gesicht" bei der vorletzten Wahl ebenfalls gewonnen hat und bei der im letzten Jahr zweite wurde, was sie auch schon bei der ersten Wahl war. Naja, aber der Autor findet ja schließlich auch, dass diese Asiatinnen eh alle gleich aussehen, da kann sowas ja schon mal passieren.

Wenig überraschend sind auch ganze Passagen aus einem etwas älteren SpOn-Artikel über AKB48 übernommen, wo unter anderem auch der "Sinn und Zweck" der Wahlen richtig beschrieben ist. Vielleicht hätte man den Artikel einfach mal lesen sollen, bevor man ihn für einen neuen verwurstet.

4.6.12

Liebe im Alter

Heute morgen hörte ich im japanischen (Internet-)Radio ein Lied, bei dem mich der Text stutzen liess... "Watashi ga obasan ni natte mo..." hieß es da, "Selbst wenn ich eine Obasan werde".

(Kleiner Japanischexkurs: "Obasan" ist in dem Zusammenhang in etwa "Frau reiferen Alters" übersetzen. Üblicherweise lernt man es in Sprachkursen mit der Bedeutung "Tante", aber nicht nur die verwandten Tanten sondern überhaupt alle Frauen im Alter zwischen... 30 und 60? spricht man so an. Davor ist man "Oneesan" ("große Schwester"), später dann "Obaasan" ("Großmutter"))

Wenn sie (Chisato Moritaka übrigens) also "Obasan" sei, dann könne sie ja keinen Minirock mehr tragen und auch keinen sexy Badeanzug. Tja, liebt sie ihr Typ dann noch? Wir Männer wollen ja bekanntlich immer die jungen Dinger... (Den kompletten Text gibt es übersetzt hier...)

Als ich Miho auf das Lied ansprach, erzählte sie mir, dass das Lied sehr bekannt sei und immer noch beim Karaoke sehr beliebt. Die Sängerin war in den 90ern ein extrem populäres Idol und Miho erinnerte sich vor allem an auffällig auffällige Kostüme. Typisch 90er halt.



Nach ein bisschen Suche im Netz fand ich dann über Chisato Moritaka noch einige interessante Sachen heraus. Das sie zum Beispiel, anders als die meisten anderen Plastik-Pop-Idole, ihre Lieder und Texte selber schrieb und dazu auch noch Klavier, Gitarre und Schlagzeug (!) bei den Liedern spielte. Dieses Jahr feiert sie übrigens ihr 25stes "Bühnenjubiläum".

Ach ja, das Lied... bitte schön, für Japanischkundige auch mit Untertitel zum Mitsingen. Viel Spaß damit!


22.10.11

Warum ich so wenig hier poste

Um es kurz zu machen. Es ist echt die Pest mit dem iPad zu bloggen, zumindest wenn man auch noch Fotos einbinden will. Zumindest habe ich bisher noch keine vernünftige Lösung oder eine gute App für diesen Zweck gefunden. Empfehlungen nehme ich gerne entgegen. Ansonsten folge man mir bei Twitter oder Google+, da gibt's auf jeden Fall mehr zu sehen...

Traditionen

Angekommen. Nach dem 11 stündigen Flug mit diversen Hindernissen wurden wir am Flughafen von den Schwiegereltern in Empfang genommen. Dann schnell und entspannt mit dem Skyliner Expresszug in die Innenstadt. Die Koffer noch zu Hause abgestellt und dann war es auch schon Mittag und somit Essenszeit! Es ging ein paar Häuser weiter in ein kleines Teishoku-Restaurant. Das ist die japanische Variante von "Futtern wie bei Muttern". Schnitzel, Hacksteaks, frittiertes aus dem Meer... Und alles im Set, mit Suppe, Reis und diversen Beilagen. Preis für das ganze: 850¥ (momentan "dank" schwachem Euro ungefähr 8,50€)

Nach einem etwas längeren Mittagsschlaf (gut gegessen + Jetlag) waren dann noch ein paar Stunden Zeit bis zum Abendessen. Also tat ich das, was ich seit meiner ersten Japanreise 2005 immer am ersten Tag gemacht habe und begab mich nach Asakusa, zum Tempel Senso-ji. Beim Verlassen der U-Bahn erwartete mich ein Anblick, an den ich mich auch erst noch etwas gewöhnen muss, denn zwischen den altbekannten Gebäuden der Zentrale der Asahi Brauerei ragt unübersehbar der fast fertiggestellte Tokyo Sky Tree heraus.
Alles beim Alten war dann beim Tempel selbst. Noch immer jede Menge Touristen und Schulklassen, die sich an all den kleinen Souvenirständen, die den Weg zum Tempel links und rechts säumen, vorbeidrängeln. Noch immer weht man sich den heiligen Rauch auf all die Körperteile, für die man Kraft und Gesundheit erbittet (meistens weht die Hand richtung Kopf). Und noch immer wirft man vor dem Beten eine Münze in die Sammelkisten, alles wie gehabt. Nachdem ich also für eine sichere Reise gebetet hatte, war noch genug Zeit, um den Rückweg zu Fuß anzutreten. Auf dem Weg kam ich auch an der Kappabashi-dori vorbei, einer Strasse, auf der man alles (und ich meine ALLES) kaufen kann, man was für Küche und Restaurant so braucht. Alles unter den wachsamen Augen des Riesenkochs... Kurz darauf dämmerte es auch schon, Tokyo begann die allabendliche Neonlightshow mit einem prächtigen Abendhimmel...
Und dann war es um halb sechs auch schon zappenduster. Am Abend folgte noch ein ebenfalls schon so gut wie traditionelles Abendessen, im Restaurant von Freunden der Familie meiner Frau. Ein kleines aber sehr feines Restaurant mit traditioneller japanischer Küche, dort haben wir auch unser Hochzeitsessen veranstaltet. Und auch dieses Mal war es ein Festival der Köstlichkeiten, das scheinbar nicht enden wollte. Es begann mit einer Sashimi-Platte, einer Auswahl von gebratenem Fisch (unter anderem Mini-Kugelfisch) und Fleisch in verschiedenen Varianten, es folgten Nudeln, Reis und Suppen, dazu Bier und Sake (warm und kalt). Danach waren wir wieder einmal müde und vor allem satt. Und somit ging es ganz traditionell in den Tatamiraum mit dem Futon auf dem Boden ohne große Unterbrechung ins Reich der Träume.

19.10.11

Sitzplatzwechsel mit Folgen

Meine Frau ist schwanger. Und wie man allgemein weiß, brauchen schwangere Frauen auch mal eine Sonderbehandlung. Zum Beispiel im Flugzeug, insbesondere bei einem Langstreckenflug von fast 11 Stunden. Ich melde das also brav am Check-in-Schalter an und der freundliche junge Mann dort müht sich auch redlich, er packt für meine Frau auch seine Japanischkenntnisse aus. Bei den sogenannten Babyplätzen ist noch was frei, da gibt es auch mehr Beinfreiheit. Juhu, denken wir und nehmen die geänderten Bordpässe an uns.

Als es dann ins Flugzeug geht, fällt uns auf: auf den neuen Bordkarten stehen ja die gleichen Plätze drauf, mit denen ich uns online eingecheckt habe, nix mit Babyplätzen... Also flugs den Flugbegleiter gefragt, ob da nicht etwas zu machen sei. Klar, kein Problem, der Flieger sei eh nicht voll. Also auf die Plätze, auf die uns der Typ beim Check-in eigentlich hinbuchen wollte. Dann taucht aber ein Paar auf, die dann wohl auf diese Plätze noch gebucht wurden. Wir machen also eine Platztausch aus, schwanger sticht Alter. Dann bekommt meine Frau aber ein schlechtes Gewissen und sucht andere, freie Plätze. Die findet sie auch irgendwann, also wechseln wir nochmal und die älteren Herrschafften dürfen auf ihre eigentlichen Plätze.

Der Flieger hebt ab, los geht's. Was folgt ist Ernüchterung: die Plätze sind direkt an der "Bordküche", wo meistens viel Betrieb herrscht. Und dann ist noch das Inseat-Entertainment bei meiner Frau kaputt. Und wir können das Licht bei ihr nich ausmachen. Undundund, das Ende vom Lied: in Zukunft will meine Frau nicht mehr mit Lufthansa fliegen. Mal sehen, wie der Rückflug wird. Diesmal kümmern wir uns auf jeden Fall früher um ordentliche Plätze...

15.10.11

Der Countdown läuft!

Noch drei Tage, dann geht es wieder zurück nach Tokyo! Auf dem Programm steht Schwiegereltern besuchen (natürlich), viel viel essen, einkaufen, fotografieren undundund... Und auch endlich mal wieder mit dem Japan Rail Pass ein bisschen durch Japan reisen. Meine Frau Miho darf ja jetzt, wo sie mit einem Nicht-Japaner verheiratet ist und im Ausland lebt auch in den Genuss des Rail Pass kommen. Auf dem Plan steht auf jeden Fall ein Kyoto-Besuch, mal sehen, wo wir uns noch hinwagen. Ist halt auch alles etwas knifflig, mit einer Schwangeren zu reisen.

Bei dieser Reise werde ich auch einiges an neuem technischen Equipment mit mir rumschleppen. Getippt wird der Blog diesmal mit dem iPad (mal schauen wie gut das geht...), fotografiert und gefilmt mit einer Olympus Pen PL-1 und in Sachen Smartphone nehme ich mein Xperia-Handy mit und miete mir einen tragbaren WiFi-Router (4G/LTE), bin mal gespannt, wie das klappt.

Jetzt muss ich aber mal den Koffer aus dem Keller holen. Ach, und Mitbringsel müssen wir auch noch kaufen...

30.8.11

Ein TV-Tipp: Japanland auf arte


Diese Woche (bzw. noch morgen und übermorgen...) läuft auf arte um 16:40 Uhr die mehrteilige Dokuserie "Japanland", von einer Amerikanerin, die ein Jahr kreuz und quer durch Japan gewandert ist. Zwar schon was älter (laut Wikipedia in 2001 gedreht), aber sehr interessant, weil man viel von abseits der üblichen Pfade erfährt.

Die bisherigen Folgen kann man auch bei "Arte+7" sehen.

30.6.11

Und um das Sommerloch: ein Bagel

Jedes Jahr das gleiche Problem: um im Sommer deine Zeitung vollzukriegen, musst du auch mal auf totalen Quatsch zurückgreifen. Und wer ist immer für totalen Quatsch gut? Na? Die Japaner natürlich! Der Bild-Zeitung geht es momentan wohl ähnlich und stellt auf altbekannte Art etwas total verrücktes vor: die "Bagelheads"! (Achtung! Link führt zu Bild!) Jungs und Mädels mit ziemlich fies aussehenden Beulen am Kopf! Der neueste Trend aus Japan! Wooooo, k-razy!

Nur: zum einen ist es kein wirklicher Trend, neu ist es auch nicht und aus Japan... naja, entstanden ist es zumindest woanders. Aber der Reihe nach: zum ersten Mal gingen die "Bagelheads" im Sommer 2009 durch's Internet. Das "Bizarre" Magazin berichtete über "extreme body modification", bei der sich ein paar japanische... Freaks Kochsalzlösung unter die Haut injizieren und damit die zuvor erwähnten Beulen am Kopf erzeugten. Die Fotos zu dem Artikel wurden dann vom "Fucked Gaijin"-Forum entdeckt, wo dann auch die Bezeichnung "Bagelheads" entstand (den das Bizarre Mag übrigens dann später in den Artikel übernahm, vorher stand da nix von Bagelheads). Das Ganze ging dann durch Blogs, Twitter, wasweissich und landete irgendwann dann auch in der Mainstream-Presse.

Danach war dann zwei Jahre mehr oder weniger Ruhe, bis das Vice Magazine letzte Woche ein Interview mit dem Fotografen Ryoichi "Keroppy" Maeda veröffentlichte. Der hat diese Methode der Körpermodifikation im Jahr 1999 auf einer Messe in Kanada zum ersten Mal gesehen und brachte im Jahr 2007 das Ganze nach Japan. Wo es halt, wie sicherlich im Rest der Welt, in der Körpermod-Szene gerne mal ausprobiert wird.
Auf jeden Fall wurde der Vice-Artikel natürlich flugs über Blogs und Twitter weiterverbreitet und mirnichtsdirnichts wird auch wieder einmal die Mainstreampresse darauf aufmerksam, die uns das dann als den neuesten heißen Scheiß verkauft. All diese Hintergrundinformationen kriegt man mit ner halben Stunde googlen heraus. Aber bei der Verbindung "Japan" und "crazy shit" setzen ja eh alle journalistischen Vorsätze aus, weil denen traut man ja alles zu. Was kommt als nächstes, nochmal die Geschichte mit dem Höschenautomat?

Was mir aber noch viel mehr auf den Nerv geht, ist das es momentan hunderttausend Themen in Japan gibt, über die es sich lohnen würde zu berichten. Wie läuft der Wiederaufbau im Nordwesten Japans? Wie geht es den Leuten in den Notunterkünften? Was läuft eigentlich momentan im Atomkraftwerk Fukushima? Wie gehen die Leute mit der Strahlenangst um? Wie profitiert die Yakuza von der Katastrophe? Und so könnte ich endlos weiter fragen. Die Antworten darf man sich selber zusammensuchen. Genau so wie die Wahrheit über einen jahrealten obskuren Trend einer Untergrundszene.

11.6.11

Vorher und Nachher

Drei Monate ist es jetzt her, dass das extrem starke Erdbeben Japan erschütterte und der anschließende Tsunami grosse Teile der nordöstlichen Küste überrollte. Über 15.000 Tote wurden mittlerweile gefunden, weiter 8.000 gelten noch immer als vermisst. Der Tsunami hinterließ ein riesiges Chaos an Land, Trümmer zerstörter Häuser, Autos, Schlamm und Dreck. In der Tagesschau eben hörte ich "Die Aufräumarbeiten kommen kaum voran". Doch wenn ich mir diese Vorher-Nachher-Vergleichsbilder ansehe, kann man nur sagen, dass hier bereits Unglaubliches geleistet wurde. Aber noch immer leben viele Menschen, vor allem ältere, in Notunterkünften. Es fehlen neue Häuser, trotz aller Bemühungen, schnell für Ersatzunterkünfte zu sorgen. Aber wie das nun mal so ist, bei einer Katastrophe solchen Ausmasses: wo soll man anfangen, wie mache ich womit weiter. Es bleibt noch immer extrem viel zu tun.

Viel zu tun gibt es natürlich auch noch in den Reaktoren von Fukushima Daiichi. Von dort wechseln sich positive und negative Meldungen ständig ab. Kaum ist ein Kühlkreislauf erneuert, hört man von einem Arbeiter, der bewusstlos zusammenbricht. Man schafft es endlich, ins innere der zerstörten Reaktorgebäude blicken zu können, aber - wie zu erwarten - stellt dann fest, dass es noch schlimmer ist, als erwartet. Aber klar ist auch: die Sorge in der japanischen Bevölkerung wächst jeden Tag. Und so finden sich immer mehr Leute bei Demonstrationen ein, die vorher nie an öffentlichen Protesten teilgenommen haben. Bei der heutigen Großdemonstration in Tokyo spricht der Veranstalter von 20.000 Teilnehmern.


Die Frage, ob es irgendwas bringt, stellt sich hier natürlich auch. Aber man sieht es ja hier in Deutschland: wenn der Unmut der Bevölkerung groß genug ist, werden auch mal Politiker aufmerksam. Aber bis das soweit ist, hat Japan noch einen sehr langen Weg vor sich.