10.4.11

Was ändert sich?

Die Berichterstattung aus Fukushima wird immer routinierter. Kein Wunder, schließlich rechnet man mittlerweile damit, dass man mit der "endgültigen" Lösung des "Problems" Fukushima Daiichi noch Jahre beschäftigt sein wird. Man ist noch weiter davon entfernt davon, die Lage im Griff zu haben, aber man hat sich einfach daran gewöhnt, das dem so ist.

So langsam vorbei mit der Routine scheint es aber mit dem Verhältnis von immer mehr Japanern gegenüber der Kernkraft zu sein: das schlägt sich zum einen in dem starken Mißtrauen gegenüber Fukushima Daiichi-Betreiber TEPCO und der Regierung nieder und zum anderen in der wachsenden Zahl von Demonstranten. Versammelten sich bisher immer nur einige Dutzend Kernkraftgegner aus Dörfern in der nähe von geplanten Kraftwerksbauten vor den Konzernzentralen, waren es jetzt nach Schätzungen von Augenzeugen mehrere Tausend, vor allem junge Leute, die gegen ein Kernkraftwerk in Hamaoka demonstrierten. Das Kraftwerk liegt in einem (selbst für japanische Verhältnisse) stark erdbebengefährdeten Gebiet.


Da die meisten Japaner im Demonstrieren nicht so sehr geübt sind, haben sich einige Aktivisten die Mühe gemacht, im typischen "Kawaii"-Stil eine kleine Anleitung "Meine erste Demo" zusammenzustellen. "Was ist überhaupt eine Demo?", "Was macht man da?", "Was soll ich mitbringen" etc., alles wichtige wird erklärt.

Eine andere Möglichkeit seine (evtl.) geänderte Stimme kundzutun bieten die heutigen Lokalwahlen in Japan. Dabei wird unter anderem der Gouverneur von Tokyo gewählt. Das ist seit 1999 Shintaro Ishihara, ein Mann der zuletzt mal wieder unangenehm auffiel, als er das Erdbeben und den Tsunami als "göttliche Strafe" für den "Egoismus" und die "Gier" der Japaner bezeichnete. Aber auch trotz solcher Äußerungen ist er auch wieder einmal zum Gouverneur gewählt worden, ein "Fukushima-Effekt" wie in Baden-Württemberg ist in Tokyo also ausgeblieben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Demo-Anleitung ist ja einfach nur köstlich - und erstaunlich wie wenig entwickelt die "Protestkultur" in Japan ist.

doc hat gesagt…

Nun ja, vermutlich das letzte Mal, dass in Japan groß demonstriert wurde, war wohl in den 60ern, unter anderem gegen den Bau des Flughafen Narita. Zuletzt waren wohl Demos gegen US Militärbasen die größten Proteste.