Neben einem Fächer, den man hier wirklich braucht (wedelwedel, "Suzushiiii!") und einem taschentuchgroßen Frotteehandtuch (Schweiß-von-der-Stirn-wisch) hab ich wie bereits erwähnt ein paar Shirts gekauft, wie versprochen jetzt die Fotos. Zunächst mal das Keith Haring-Shirt:
Hier das Amano-Shirt, bzw. das Motiv in der Nahaufnahme, ist nicht so einfach zu erkennen:
Und dann noch das Tadoa Ando Shirt, zur Unterstützung der Sato Inland Sea Olive Foundation, die sich um die Wiederherstellung der Natur der Seto Inlandsee kümmert:
Heute hab ich dann auch noch Schuhe gekauft, diese schicken Slipper von Adidas:
Noch ist übrigens Platz im Rucksack, Bestellungen werden noch aufgenommen...
Wie gesagt, war ich gestern abend bei Familie Ishikawa nach Hause eingeladen. Mariko, die älteste Tochter, ist schon seit ein paar Jahren eine Brieffreundin und schon bei meinem ersten Japanbesuch wurde ich von der Familie fürstlich bewirtet. Diesmal also, passend zum Sommer, ein kleines Barbecue.
Ich traf Mariko am nächstegelegenen Bahnhof und von dort fuhren wir mit dem Taxi weiter. Angekommen gab's viel neues zu sehen. Nicht nur einen neugekauften Grill: nein, Papa Ishikawa hatte gleich das alte Haus (zumindest einen Teil) abgerissen und was neues hinbauen lassen. Alles eine Nummer größer als vorher. Platz auf dem Grundstück haben sie ja genug. Ich wurde erstmal ins Wohnzimmer vor den neuen Riiiiesenfernseher gesetzt, während sich der Vater um den Grill und Mutter und Tochter um die Vorbereitung des Essens kümmerten.
Tja, nur blieb das mit dem Feuer im Grill machen eher erfolglos. Nachdem das Feuer angezündet war überließ der Vater seinen Töchtern alles weitere. Die wedelten wie wild mit Fächern, aber wenn man eine geschlossene Platte drüber läßt, gibt das nicht viel mit dem Durchzug. Naja, groß einmischen sollte ich mich nicht, also machte die Mutter das einzig richtige, schmiß in der Küche die heiße Platte an und brutzelte dort das Grillgut. War auch lecker.
Während dem Essen (es kam ja ständig irgendwas neues dazu) unterhielten wir uns über diverse Dinge, z.B. erzählte der Vater, dass er neulich in Düsseldor (bzw. Mönchengladbach) auf Dienstreise war. Irgendwie kamen wir im Verlauf des Gespräch auf Nord- und Ostsee, worauf Mariko völlig überrascht reagierte: Deutschland liegt am Meer? Naja, bei so vielen Nachbarländern liegt es ja nahe zu vermuten, dass da kein Platz mehr für das Meer ist.
Irgendwann verschwand Saori (die jüngere Tochter) kurz zum Konbini, um Feuerwerk zu besorgen. Denn Sommerzeit ist in Japan Feuerwerkzeit. Allerdings, neben den großen öffentlichen Feuerwerken für den privaten Gebrauch eher kleines Zeugs für "auf die Hand". Schön isses trotzdem.
Ach ja, wusstet ihr eigentlich schon, dass japanische Kabelhersteller wegen der im Sommer allgegenwärtigen Zikaden (nehmt das Geräusch von Grillen, jagt es durch einen Verzerrer und verstärkt das Ganze zehnfach) ein Heidengeld machen? Irgendwie finden die Viecher Lichtfaserkabel total geil und knabbern fröhlich dran rum. Auf jeden Fall hat der Kabelhersteller, bei dem Papa Ishikawa angestellt ist, ein Zikadensicheres Kabel entwickelt. Und das muss jetzt natürlich überall benutzt werden, was bedeutet: ka-tsching!
Irgendwann war es dann Zeit, mich auf den Rückweg zu machen. Mariko und Saori brachten mich zum Bahnhof und erzählten mir unterwegs über die Gegend, die wohl laut Polizei als nicht wirklich sicher gilt, wegen der (Achtung!) Inder! Trotzdem kamen wir sicher am Bahnhof an und ich kam auch problemlos zurück zum Hotel. Und da sah ich dann im Fernsehen, wie man einen Grill richtig anfeuert. Hätten sie das mal früher gezeigt.
Während ich mich gestern "nur" in der näheren Umgebung aufgehalten habe, sprich auch ohne U-Bahn auskam, ging es heute mal etwas weiter. Am Vormittag ging es aber erstmal wieder Richtung Asakusa für ein bißchen Shopping. Im weiser Vorraussicht hab ich ja nur ein paar Shirts eingepackt. Und die Sammlung wurde dann heute etwas größer, denn bei Uniqlo (sowas wie Japans H&M) gab's ein paar schicke Exemplare zu kaufen. Einmal eins mit einem Keith Haring-Design, eins von Yoshitaka Amano und eins von, der Mann verfolgt mich jetzt wohl auf ewig, Tadao Ando. Fotos gibt es morgen, ich bin jetzt gerade mal zu faul.
Unterwegs bin ich auch mal über die Kappabashi Dougugai Dori geschlendet. Auf der Straße gibt es tonnenweise Geschäfte für Küchenbedarf. Ich glaub was es da nicht gibt, gibt es nicht. Ich mach mal ein Video drüber.
Weil ich eh in der Gegend war, bin ich mal wieder am Senso-ji vorbei und hab da was gegessen, was für den Sommer in Japan typischst ist: geschabtes Eis mit Sirup drüber. Wie Wassereis halt, nur süßer. Gibt's in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Melone, Traube undundund. Bei der Hitze tut es echt gut, im Schatten zu sitzen und sich so einen Becher reinzulöffeln. Ach, beim Thema Eis fällt mir ein, in einem Konbini sah ich neulich Becher, die man kaufen konnte, in denen direkt Eiswürfel drin waren. Das Getränk seiner Wahl kann man dann selber reinfüllen.
Okay, hier im Fernsehen werden gerade Bikinimädels mit... viel Charakter... an den Füßen gekitzelt, während sie für irgendwelche DVDs Werbung machen. Sexy Sport Clips auf Japanisch.Und jetzt eine Talkshow, die von Schaufensterpuppen moderiert wird...
Wie auch immer, nach einer kleinen Erfrischungspause im Hotel ging es weiter nach Harajuku aka wo die schönen Menschen ihre Klamotten kaufen. Da wollte ich natürlich nicht nachstehen. Aber bei graniph hab ich diesmal nix gefunden, was ich unbedingt haben musste. Naja, ich hab ja dafür schon bei uniqlo zugeschlagen.
Aber auch sonst gab's ein paar interessante Sachen zu sehen. Zum Beispiel den Schreibwarenladen Delfonics in Omotesando Hills, mit sehr schick designtem Kram. Unter anderem auch mit dem Label "Büro" und dem Motto "Wir geben unser Bestes um die Qualität unserer Produkte weiter zu verbessern" (Ja, auf Deutsch). Oder Kalender mit dem Titel "Ein neues Leben". Aber wie gesagt, alles schick anzusehen. Im großen Modekaufhaus "La Foret" gab es zum einen zum 30sten Geburtstag von Space Invaders einige interessante Klamotten (zu "interessanten" Preisen) und eine Ausstellung aus dem BMX und Skateboardsektor namens "Beautiful Losers & Lightning Bolts", u.a. mit Bildern von Ed Templeton, Mike Mills und Harmony Korine.
So, über meinen Besuch bei Mariko und ihrer Familie und warum Japaner dringend Grillkurse brauchen (gab's eben im Fernsehen auch), da schreib ich morgen drüber. Will schlafen. Und morgen bin ich mal wieder verabredet. Gute Nacht!
Man hat es mir ja vorher gesagt, aber ich wollte ja nicht hören: es ist einfach mal richtig warm im Sommer in Japan. Empfindliche Personen würden vielleicht sogar von heiß reden, was vor allem an der hohen Luftfeuchtigkeit liegt. Nun ja, ich lieg jetzt hier auf dem Futon, habe den Fernseher nebenbei laufen, schlürfe lecker Chu-hi und knibbel Edamame. Auf jeden Fall ein entspannter Abend. Ein paar Sachen, die ich mir vorgenommen habe, z.B. Guthaben für das Prepaid-Handy zu kaufen. Doof nur, dass ich trotz neu geladenem guthaben immer noch nur empfangen, aber nix schicken bzw telefonieren kann. Merkwürdig.
Trotz der Hitze bin ich erstmal durch die Straßen Uenos gezogen, Check-in war erst um 25 Uhr möglich und ich war schon um 11 Uhr da. Wenigstens durfte ich mein Gepäck da lassen. Die Haupteinkaufsstraße ist die Ameyoko und da gibt es so ziemlich alles gibt und vor allem so ziemlich alles for sale. Neben Klamotten, Nahrungsmitteln, Uhren usw. hat mich vor allem das Schuhangebot dort hin gezogen. Eigentlich bin ich nur auf der Suche nach ein paar simplen Stoffslippern a la Vans. Aber dieses Angebot... schwer verführerisch. Ein paar Special Edition-Adidas hatten es mir angetan. Preis: 8000 Yen (momentan... knapp 49 Euro). Aber doch nicht gleich am ersten Tag das Geld so rausballern.
Auch interessant: der 5-stöckige Spielzeugladen. Da gibt's einige interessante Sachen. Aber auch erst später.
Irgendwann war es dann auch Zeit für's einchecken. Der freundliche junge Mann am Empfang spricht überraschenderweise ziemlich gut Deutsch. Toll, wie soll ich denn hier mein Japanisch testen? Nun ja, rauf ins Zimmer und so ziemlich als erstes: DUSCHEN! Sehr willkommen. Das Zimmer ist nicht groß, hat aber TV, Internet, ein Bad, Wasserkocher, Yukata und vor allem: ist sauber. Empfehlung von meiner Seite für das Oak Hotel.
Danach wieder raus, nach Asakusa, wo Laternen zu Wasser gelassent werden sollten. Was auch klappte... zu Beginn, leider hat der Wind die leichten Papierdinger umgeblasen und versenkt. Ins Wasser gelassen wurden die Laternen übrigens im Rahmen des Bon-Festes, zum Gedenken an die verstorbenen Ahnen. Vielleicht habt schon mal davon im Rahmen der Gedenkfeiern in Hiroshima davon gesehen. Hier übrigens ein größeres Exemplar, welches nicht so leicht zu versenken ist:
Und wo wir grad bei großen Exemplaren sind: zum typischen Klang des japanischen Sommers gehört das stetige Sägen der Zikaden. Das das allerding SO laut ist, hätte ich vorher nicht gedacht. Naja, kein wirkliches wunder, wenn man sich mal ansieht wie groß die Viecher sind:
So, jetzt muss ich mal schlafen. Der Jetlag kommt... zum Glück spät.
Da wär es also wieder einmal geschafft, ich sitze im Regionalzug vom Flughafen nach Ueno und da das gut 80 Minuten dauert (man spart halt wo man kann) hab ich reichlich Zeit, den Flug zu rekapitulieren. Kurz gesagt: groß aufregendes ist nichts passiert. Es gab kein Inseat-Entertainment, die Filmauswahl war mies ("Fool's Gold" statt "Iron Man", na danke!), das Essen war gut und am Gang zu sitzen eine sehr kluge Entscheidung. Am aufregendsten waren da schon die nicht ganz so leichten Turbulenzen und ein älterer Herr, der nicht vom Alkohol lassen wollte und von den Flugbegleiterinnen zurechtgewiesen werden musste.
Die erste Reaktion, als ich den Flieger verlies war dann auch ein wenig überraschendes "あつい!" oder auf gut Deutsch "Hui, ist das warm hier!". Nun ja, kein Wunder, wenn man aus einem klimatisierten Flieger kommt. Jetzt hier im Zug, mit Zugluft (haha...), geht es eigentlich. 27°C soll es haben, es ist bewölkt, aber bisher war ich noch gar nicht wirklich draußen. Also waren wir mal ab.
Der erste Weg nach dem Ausstieg führt den Genießer natürlich gleich an einen extrem wichtigen Ort: die Toilette. Und hurra!, direkt ein Washlet erwischt.
Bei der Passkontrolle bekam man dann auch die verschärften Sicherheitsmaßnahmen zu spüren, den gleich hieß es: Fingerabdrücke her und bitte recht freundlich für ein Foto. Schöne neue Welt. Und auch bei der Gepäckabholung was neues: Schnüffelhunde werden herumgeführt. Und bei der Zollabfertigung ließ man sich auch etwas mehr Zeit. Mir wurde zum ersten Mal das Gepäck durchsucht, wenn auch nicht sehr gründlich. Spannend war dann aber: ich hatte ein Sixpack Gaffel sorgfältig verpackt und im Rucksack untergebracht. Aber offensichtlich kein Problem, er hat's ertastet, er fragte ob das Schuhe seien, ich sagte "Bier!" und er sagte OK und verabschiedete mich.
Der Rest... naja, ich mach das jetzt zum dritten Mal, alles easy und nicht mehr so aufregend und bei der Fahrt jetzt erkenn ich die Gegend auch wieder. Obwohl: sieht ja eh vieles gleich aus.
Wenn ich dann am Hotel angekommen bin, gibt's auch gleich ein paar kleine Missionen: Handy laden (sowohl Strom als auch Geld), die Umgebung erforschen, vielleicht auch gleich ein paar Schuhe kaufen und heute abend ab nach Asakusa, wo laut Saori heute abend ein Laternenschiffchenfest sei. Schaumermal. Am ersten Tag nach Asakusa ist mittlerweile wohl eh Tradition.
Da bin ich wieder, im Limbo namens Amsterdam-Schiphol. 3 Stunden Aufenthalt müssen irgendwie rumgekriegt werden und wenn man keine Lust hat, hier hunderte von Euro zu lassen, dann bleibt einem nicht viel außer rumsitzen und lesen. Oder halt etwas schreiben.
Ein paar Euro hab ich doch mal ausgegeben und mir einen BigMac gegönnt. Ein Keks zum Frühstück ist halt doch nicht so reichlich. Wie gesagt, machen könnte man hier einiges. Aber die Preise... da Flughäfen ja ein abgeschottetes Land für sich sind, sind sie offensichtlich auch das Paradies für Abzocker. Internet beispielsweise gibt's hier an jeder Ecke... für schlappe 6 Euro für 30 Minuten! Ich weiss auch nicht, warum Leute immer so scharf sind, auf Flughafen Duty Free einzukaufen. Das, was man später als Steuer abgezogen kriegt, wurde vorher eh auf den Normalpreis draufgeschlagen.
Immerhin lief heute morgen alles mehr oder weniger glatt. Zwar war ich eine halbe Stunde zu früh am Bahnhof, weil ich Doofnuss nicht daran gedacht habe, dass der Zug, den ich eigentlich nehmen wollte, ja überhaupt nicht über Köln/Bonn-Flughafen fährt... clevererweise hab ich aber eh einen Zug früher als nötig nehmen wollen und von daher: kein Problem, überpünktlich war ich dann trotzdem am Flughafen.
Der knapp einstündige Flug nach Amsterdam war völlig in Ordnung. Dank eines Fensterplatzes hatte ich dann auch Google Earth "in echt", was die Sache nur noch faszinierender machte. Fast wie eine Runde Sim City, nur das ich nicht auf Knopfdruck mal eben Godzilla durch ein holländisches Dorf schicken kann. Die Dame auf dem Platz neben mir war übrigens eine (klassische) Sängerin, auf dem Weg zu einem Festival in Edinburgh. Die kommt auch gut rum, in Japan war sie auch schon (ich solle mal nach Matsumoto fragen), ich weiss schon gar nicht mehr, wo es als nächstes hingeht. Als ich ihr davon erzählte, gerade ein Buch über einen sudanesischen Flüchtling zu lesen ("What is the what" von Dave Eggers, sehr, sehr gut bisher, wenn auch manchmal einfach nur tieftraurig), berichtete sie mir von einer Begegnung mit einem General, der versucht hatte den Völkermord in Ruanda zu verhindern. Sie traf ihn bei einem Gedenkkonzert, bei dem Motive aus Beethovens "Egmont" mit Augenzeugenberichten gemischt waren. Immer wieder interessant, auf welche Geschichten man so unterwegs stößt.
So und bevor es gleich heißt "Mister Sebässtschn Fox, travelling to Tokyo, you are delaying the flight..." mache ich mich mal auf zu meinem Gate.
So, der Rucksack ist gepackt, das Handgepäck ist auch beisammen und ich total müde. Morgen früh geht es wieder los Richtung Japan. Und an dieser Stelle wird also auch wieder mehr Leben einkehren, wenn ich wieder einmal vor dort berichte. Freut euch schon mal drauf und wie immer freue ich mich auf Kommentare! Next stop: Tokyo!
Es ist nicht immer einfach, sich in Tokyo zurecht zu finden, wenn man keinen guten Stadtplan zur Hand hat. Art Space Tokyo und Tokyo Art Beat bieten auf ihren Webseiten herunterladbare Stadtpläne an, die auf interessante Orte im Bereich Kunst und Design ausgerichtet sind. Die Karten von Art Space Tokyo zeigen immer den Weg zu einer bestimmten Location und dazu noch einige interessante Gallerien und Läden in der Umgebung, die vierseitige Tokyo Art Map zeigt mehrere Gegenden und weist noch auf aktuell laufende Veranstaltungen hin. Für den kunstinteressierten Toykobesucher beide sicherlich sehr hilfreich auch mal Orte zu besuchen, die man sonst nur zufällig gefunden hätte.
Der Daigo-ji ist ein Kloster in der Nähe Kyotos. Es ist eines der ältesten Klosteranlagen Japans und Zentrum der als Shigon-shu genannten Schule des Buddhismus. Auf Grund der kompliziert gehaltenen Lehre gilt diese Glaubensrichtung als schwer zugänglich. Daher auch die Bezeichnung "Geheimer Buddhismus", da es eines Lehrers bedarf, um die Lehre des Shigon-shu vollständig zu verstehen.
Dieser Punkt macht es aber auch dem Besucher der Ausstellung nicht wirklich einfach, einen Zugang zu finden. Ein Interesse an der buddhistischen Lehre und der japanischen Kultur ist meiner Meinung ein Muss. Nur wenige der ausgestellten Stücke sind unabhängig von diesem Überbau als interessant zu bewerten. Denn es gibt vor allem (teilweise über 1000 Jahre alte) Abschriften religiöser Texte zu sehen, Abbildungen und Skulpturen von großen Lehrern und Heiligen und rituelle Gegenstände aus der umfangreichen Schatzkammer des Klosters.
Hier und da gibt es unglaubliche feine Details an Zeptern oder Holzkisten zu bewundern, aber spätestens nach der dritten Schriftrolle stellt sich dann doch gepflegte Langeweile ein. Am interessantesten war dann auch für mich der originalgetreue Nachbau des Altars und ein 45-minütiger Film über Daigo-ji, in dem man mehr über die Anlage und das Alltagsleben der Mönche erfährt.
Weitaus interessanter ist zum einen ein Besuch der Museumsbuchhandlung, die zur Ausstellung ein umfangreiches Angebot zu allen möglichen Japanthemen hat (Essen, Kunst, Religion, Gärten...), sowie das Rahmenprogramm. Da gibt es zum einen diverse Workshops (leider vor allem für Kinder und Jugendliche) und zum anderen Konzerte und ein paar interessante Filme. Wenn also die Ausstellung nicht sooo brennend interessant ist, so hat zumindest das drumherum einiges zu bieten.
Eine Sache, die man in Tokyo sehr, sehr gut machen kann ist vor allem: Shopping. Besonders was neue Trends angeht. Und wie wir ja alle wissen, macht das Internet die Welt kleiner. Dank Tokyomade müsste man jetzt man nicht mal mehr das teure Flugticket nach Japan bezahlen (gäbe es da nicht doch noch zwei, drei andere Sachen zu erleben...) um den neuesten Kram von jungen(?) und unabhängigen Designern einzukaufen. Es gibt Klamotten für sie und ihn, Accesoires, Spielzeuge, Bilder usw. Hätte ich nicht vor, im Sommer selber dorthin zu fahren, ich würde mich jetzt arm shoppen... aber die Vernunft, sie siegt mal wieder.
Ich bin ja immer für allen möglichen Konsolen-Zusatzcontroller-Schnickschnack zu haben. "Samba de Amigo" samt Maracas liegt hier run, eine "Dance Dance Revolution"-Plattform, ein Beatmania-Controller, Donkey Konga-Bongos, natürlich "Guitar Hero"... und somit wundert es dann auch kaum, dass "Wii Fit" ins Haus musste. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich auch mal etwas mehr bewegen sollte. Die erste Überraschung gab es schon, als ich "Wii Fit" im Kaufhaus (Amazon war schon länger ausverkauft, im Karstadt lagen reichlich rum) zu ersten Mal in die Hand nahm: ich war vom Gewicht überrascht, das Ding ist nämlich ziemlich schwer. Beim Auspacken zu Hause fiel mir auch wieder dieses kleine, aber doch ziemlich wichtige Detail auf: das Packungsdesign. Also nicht das was draußen aufgedruckt ist (in diesem Falle ziiiiiiemlich langweilig), aber wie es verpackt ist. Optimal passende Pappschuber, mit genauer Auspackanleitung. Danke, Nintendo! Im Gegensatz zu diesen üblen Blisterverpackung (diese verschweisten Drecksdinger aus Kunststoff, für die man einen Schweißbrenner braucht um sie zu öffnen) eine wahre Wohltat.
In der Verpackung findet sich zum einen das "Wii Balance Board", mit dem Wii Fit gesteuert wird, das Spiel, eine Anleitung und 4 Batterien für das Board. Das Board selber macht einen absolut überzeugenden Eindruck was die Verarbeitung angeht, muss ja auch, schließlich soll das Brett bis zu 150 kg aushalten können. Also, Batterien rein, Brett auf den Boden, Spiel ins Wii und auf geht's.
Man wird von einem knuffig animierten Balance Board begrüßt, das einem erstmal erzählt, wie schlecht es um uns bestellt ist (mangelnde Bewegung, Haltungsprobleme, Übergewicht) und das man jetzt natürlich etwas dagegen zu tun gedenkt. Dann noch ein paar Daten (Name, Alter, Größe) angegeben und dann geht's zur ersten Messung. Man ahnt schon, am öfter Mal auftauchenden "Ich meeeesse... ich meeeesse...", dass das Board von sich gibt, werden sich die Geister scheiden. Na wie auch immer, man kriegt also seinen Body Mass Index präsentiert (bei mir fast 23, habe also nicht wirklich was zu meckern) und dann wird anhand von kleinen Spielen die Balance geprüft. Dabei fällt einem auf, wie präzise das Board jede Bewegung wahrnimmt. Zum Schluß kriegt man dann, wie schon beim Gehirnjogging, sein Fitnessalter präsentiert. Bei mir war's beim ersten Mal 48... es gibt also was zu tun. Bevor man aber loslegt, wird man vom Balance Board gebeten ein Ziel anzugeben und bis wann man das Ziel erreichen möchte.
Dafür tun kann man dann auch was im Trainingsbereich. Die verschiedenen Übungen teilen sich in vier Kategorien ein: Yoga, Muskelübungen, Aerobic und Balance. Zu Beginn sind nur knapp 1/3 der Übungen freigeschaltet, aber je mehr Zeit man mit den Übungen verbringt (wird alles festgehalten von "Schweinchen Fit", eine Art Zeitsparschwein) umso mehr Übungen werden freigeschaltet. Nach den ersten paar Übungen im Bereich Yoga und Muskeln kriege ich die Anfänger und Sitzsack-Bewertungen nur so um die Ohren gehauen. Ich merke wirklich direkt: ich mach sonst eigentlich nix und das zeigt sich jetzt gnadenlos. Nur beim Joggen (einfach Wiimote in die Tasche gesteckt und fröhlich im Kreis durchs Zimmer gelaufen) kann ich doch eine Höchstwertung einfahren.
Während ich mich am ersten Tag nur an (vermeintlich) leichte Übungen rangetraut habe, wähle ich am zweiten Tag auch mal anspruchsvolleres. Der Versuch ein paar Liegestützen zu machen endet allerdings in einem Desaster. Nach der ersten Liegestütze breche ich schnaufend auf dem Boden zusammen. Okay, hier ist wirklich einiges im Argen. Aber: es macht Spaß und es motiviert. Man versucht immer neue Rekorde aufzustellen, bei Übungen wie dem Skispringen immer weiter zu kommen, beim Yoga nicht vom Board zu fallen und nach dem täglichen Körpertest einen Stempel in den Kalender zu stempeln. Mal sehen wie lange die Motivation bleibt. Mein Ziel will ich auf jeden Fall erstmal erreichen.
Ein wenig unverständlich ist, warum Nintendo keinen wirklichen Mehrspieler/Party-Modus ins Spiel integriert hat. Man kann zwar mehrere Profile anlegen, aber alle Übungen werden nacheinander ohne direkten Vergleich gemacht. Eine Möglichkeit könnte hier das angekündigte Wii Family Ski sein.
So, ich werde jetzt mal meinen Muskelkater weitpflegen...
Uniqlo mal wieder... ich fand die Uniqlock ja schon toll (schont immer noch meinen Bildschirm und wie ich gerade sehe gibt's ab dem 28.04. eine neue Version... nach japanischer Zeit also in etwa 4 Stunden), jetzt hat die japanische Variante von H&M (meiner Meinung allerdings die wesentlich interessantere) zur Bewerbung ihrer schicken UT-T-Shirt-Kollektion wieder eine neue Spielerei herausgebracht: UT LOOP! Und praktischerweise wieder mit Widgets für Blogger, das ihr euch hier mal ein paar der User-erstellten Loops ansehen könnt. Und dann auch gleich welche selber machen, gell?
Im Vergleich zum japanischen Markt ist das Angebot an "Bildungssoftware" für Nintendos DS in Europa ziemlich dürftig. Es gibt diverse Gehirnjoggings, ein paar Englischtrainer und letzte Woche habe ich sogar ein Langenscheidt-Wörterbuch (Englisch - Deutsch und umgekehrt) entdeckt. Langsam scheint man aber auch hier das Potential erkannt zu haben und bringt mehr und mehr Nicht-Spiele-Software heraus. Für Japanischlernende/lernwillige ist in diesen Regionen allerdings nichts zu holen (noch, Virgin Play hat in Zusammenarbeit mit Berlitz in der Reihe "Mind your language" neben Englisch, Spanisch und Französisch auch Japanisch als erlernbare Sprache angekündigt, Veröffentlichung im Herbst [mehr bei Kotaku]). Vor allem für das mühsame Erlernen der Kanji gibt es in Japan hingegen mittlerweile eine schon fast unüberschaubare Menge an Software für den DS. Ein besonders hervorstechendes Exemplar verbindet das Erlernen von Kanji mit ... Martial Arts! In "Hissatsu Kung Fu: Kanji Dragon" (erhältlich zum Beispiel bei Playasia oder J-List) vermöbelt ihr eure Gegner mit euren Kanjiskills. Es gibt diverse Spielmodi, in denen man Beispielsweise die korrekte Lesung schreiben muss oder halt umgekehrt, das korrekte Kanji über den Touchscreen des DS eingibt. Einen genaueren Einblick gibt es im Blog "Naruhodo!", der einen sehr guten Überblick über die diversen Möglichkeiten, die einen beim Japanischlernen unterstützen, gibt.
Ich werde mir jetzt auf jeden Fall mal das Kung Fu-Kanji Ding besorgen. Aber ich befürchte mit meinem momentanen Wissensstand werde ich ziemlich viel Prügel beziehen...
Letzte Woche ist bei mir die vierte Auflage des Rough Guide Japan-Reiseführers eingetroffen. Der Rough Guide ist für mich die bessere Alternative zum Lonely Planet (vorrausgesetzt man ist dem Englischen mächtig), aus dem ganz einfachen Grunde, weil im Rough Guide mehr drin steht. Gerade so Dinge wie kultureller Hintergrund und ähnliches.
Im Vergleich zur vorherigen Auflage gibt es jetzt neben den üblichen Aktualisierungen ein paar farbige Seiten mehr (wer's braucht...), besondere Empfehlungen sind durch ein kleines Logo besser gekennzeichnet und die die Region Kyoto / Nara hat ein eigenes Kapitel bekommen. Ach ja, und Naoshima steht jetzt bei den "Things not to miss" :-)
Ach ja, zum Rough Guide bin ich übrigens über In-Game-Werbung gekommen. Während dem Spielen von "Metropolis Street Racer" wurde ich so lang mit der Werbung berieselt, dass der Name einfach hängen blieb. Wobei ich zuerst dachte, die Werbungen wären alle fiktiv... tja, auf jeden Fall empfehlenswert und als Reiseführer mein Begleiter für die nächsten Japantrips. Und jetzt muss ich mal weiter lesen und schauen, was ich so interessantes neues entdecke...
Ohne Zweifel eines der schönsten Videospiele ist das in Kürze auch für Nintendos Wii erscheinende "Okami". Doch auch wer Wii oder Playstation 2 nicht zu Hause stehen hat, kann sich an der wunderschönen, im Stile japanischer Tuschemalereien gehaltenen Optik erfreuen. Hersteller Capcom war nämlich so nett und hat eine "Okami Art"-Galerie eröffnet. Und wer mag kann sich dort auch einen hübschen Bildschirmhintergrund herunterladen.
Unbedingt auch mal auf den japanischen Yahoo-Seiten vorbeischauen und gucken wie die Space Invaders die Seiten... äh, invaden. Anlass ist übrigens der dreißigste Geburtstag dieses legendären Spiels.
Eines der japanischen Wörter, welches auch außerhalb Japans immer bekannter wird, ist "Otaku", womit all die Freaks, Nerds, Besessenen, Fans bezeichnet werden, die sich obsessiv mit einem bestimmten Thema beschäftigen. Waren zunächst vor allem die Manga/Anime-Fans gemeint, so kennt man mittlerweile verschiedene Unterarten, wie den Zug-Otaku oder Militär-Otakus.
Ursprünglich wurde die Bezeichnung Otaku, was eigentlich eine höfliche Form von Sie bzw. jemand anderes Haus ist, im Jahr 1983 in einem Essay von Nakamori Akio verwendet. Dieses Essay wurde jetzt durch Matt Alt ins Englische übersetzt und ist auf den Seiten von Néojaponisme zu lesen.
Kein wirklich freundliches Bild, welches da in diesem Artikel gezeichnet wird. Auch heute noch ist die Bezeichnung Otaku in Japan eher abwertend, aber zum Beispiel durch den Erfolg des Buchs/Films/der Serie "Densha Otoko" ist das allgemeine Interesse an der Otakukultur gewachsen. So sehr, dass es den Otaku selbst zu viel wird und sie auf die Straße gehen um für den Erhalt ihrer Kultur zu demonstrieren.
Man stelle sich folgendes vor: Dieter Bohlen macht jedes Jahr seine eigene Castingshow. Zunächst gibt's nur eine Girlgroup, sagen wir mal sowas wie die No Angels. Nur machen da auch 13 jährige Schulmädchen mit. Jahr für Jahr gibt es dieses Casting, es kommen ständig neue Sängerinnen in die Truppe, manche hören auf, machen Solo weiter, es werden Spin-off-Bands gebildet. Klar, es gibt tonnenweise Merchandise, Fotokarten, Handtücher, Kalender, Fotobücher usw. usw.
Klar, sowas gibt's in Japan. Das japanische Dieter Bohlen-Äquivalent heißt Tsunku (gewisse äußere Ähnlichkeit ist gegeben, er ist vielleicht nur nicht so ganz prollig wie Herr Bohlen), die Teenie-No Angels sind Morning Musume und die ganze restliche Chose läuft unter dem Banner "Hello!Project".
Zurück zur deutschen Vorstellung: ein Verein der Fußball-Bundesliga... sagen wir mal... der VfL Wolfsburg kommt jetzt also zu Bohlen und sagt: "Hey, du und deine Mädels und unser Superverein, da lässt sich doch bestimmt was machen." Und geschäftstüchtig wie unser Herr Bohlen nun mal ist, gibt es jetzt Jahr für Jahr einen Knalleranfeuerungssong für den großen VfL Wolfsburg.
Nicht leicht vorzustellen, was? Klar, in den deutschen Stadien wird einem musikalisch so einiges zugemutet, aber eine Girlgroup die quasi das Vereinslied stellt? Mir nichts, dir nichts wären die Fans auf den Barrikaden.
Aber in Japan: kein Problem! Der VfL Wolfsburg ist hier die Tohoku Rakuten Golden Eagles und die spielen Baseball in der japanischen Profiliga, in den vergangenen Saisons mit eher bescheidenen Erfolg. Für die gerade begonnene Saison hat der japanische Herr Bohlen natürlich auch wieder einen Song aus dem Hut gezaubert. Diesmal darf sich die Schulmädchen-Truppe °C-ute in die Baseballuniform schmeißen und dann heißt es: "Koero! Rakuten Eagles" (sozusagen "Mach et, Otze!" auf japanisch):
Zufällig bin ich dann auch noch darauf gestossen, dass eins meiner Lieblingslieder von Morning Musume, "The Manpower!!!" (geiler Titel! Und die Ausrufezeichen gehören so!) der erste dieser Fangesänge ist:
Tja. Sowas hier in der Bundesliga? Ich glaube das würden nicht mal die Bayern ihren Fans zumuten...