Japanische Popkultur, Architektur, Kunst und anderer Schmonzes!
12.2.16
Beginn eines Experiments
Nachdem ich die Samen jetzt ein paar Monate habe draußen stehen lassen (damit sie auch mitbekommen, dass Winter ist), ging es jetzt mal daran, sie unter die Erde zu bringen. Zunächst mal habe ich die Samen über Nacht in warmen Wasser liegen lassen, um die Schale aufzuweichen und damit hoffentlich die Keimung der erleichtern.
In den Pflanzschalen (eine flache Bonsaischale für die Schwarzkiefer und ein Minigewächshaus für Bergkirsche und Fächenahorn) habe ich erst einmal eine Schicht gröberes Gestein als Drainageschicht angelegt.
Darüber dann eine Schicht Anzuchterde vom Bonsaifachhandel, geimpft mit Pilzkulturen, die wohl gut für das Wachstum sein sollen. Mal schauen ob es etwas bringt...
Dann die Samen rein. Von jeder Sorte hatte ich jeweils 8 Samen, mal sehen, wie viele davon tatsächlich irgendwann mal keimen. In der Fachliteratur, die ich mittlerweile so gelesen habe, war oft zu lesen, dass man lieber beim Säen in die vollen gehen soll, weil die Keimungswahrscheinlichkeit so bei 20-30% läge. Wenn alles gut läuft, habe ich am Ende also vielleicht ein oder zwei Keimlinge pro Sorte.
Das ganze habe ich dann ordentlich gegossen, abgedeckt und jetzt heißt es: abwarten. Wenn etwas sprießen sollte, werde ich es hier mit Fanfaren vermelden. Und dann hoffentlich für lange Zeit das Wachstum der kleinen Schätze begleiten.
29.1.16
Lauter schöne Dinge & ein bisschen Zerstörung
100 years of Japanese beauty in one Minute (Japan Pulse)
Das Video hat sicher der ein oder andere schon gesehen, hier gibt es noch ein paar Beispielbilder von den für jedes Jahrzehnt gewählten Vorbildern.
Vibrant Photographs of Tokyo at Night by Masashi Wakui (Spoon & Tamago)
Sehr schick, Bilder von kleinen Tokyoter Gassen im Neonlicht. Eine Art kuschliges "Blade Runner"...
KKAA (Kengo Kuma & Associates) Architecture Guide Tokyo (PDF Datei)
Wer mal Lust hat, auf Architektursafari in Tokyo zu gehen, hier eine Karte aller Projekte von Kengo Kuma (der, der auch das neue Olympiastadion entworfen hat). Zu jedem Projekt noch eine kurze Beschreibung mit Adresse, dann kann man die Tour auch virtuell per Street View machen ;-)
In Yakuza 6, You Can Beat Up a Japanese Convenience Store (Kotaku)
Wer schon immer mal in einem Conbini die Regale abräumen wollte: Yakuza 6 ist Dein Spiel! Wenn es denn irgendwann im nächsten Jahrzehnt vermutlich außerhalb Japans veröffentlicht wird. Ich bin momentan noch mit Teil 4 beschäftigt, während im Hintergrund Teil 5 runterlädt. Von mir aus können sie sich also noch Zeit lassen...
15.1.16
Wird das japanische Fernsehen global(er)?
Zwar hat es NHK World mittlerweile geschafft, einige Sendungen "on demand" zum Stream anzubieten, aber sonst sind die Möglichkeiten japanisches Kino und TV legal und ohne Umwege zu genießen äußerst dürftig. Zumindest nach meinem aktuellen Wissenstand, über Hinweise freue ich mich immer. Ich habe beispielsweise einmal bei "werstreamt.es" nach Filmen von Akira Kurosawa und Takeshi Kitano gesucht. Das Ergebnis: je drei Filme, die über iTunes ausgeliehen werden können. In beiden Fällen auch nicht gerade die "Klassiker" der genannten Regisseure.
Hoffnung macht jetzt, dass Netflix mittlerweile auch nach Japan expandiert ist und dort auch exklusiven Inhalt produzieren lässt (danke an @F_Deutschland für den Hinweis!). Das schöne dabei: das erste Ergebnis kann auch im deutschen Netflix Angebot angesehen werden. Gut, "schön" ist jetzt vielleicht etwas hochgegriffen: die erste Exklusivproduktion, die in Zusammenarbeit mit Fuji TV entstand, heißt "Underwear" (bzw. in Deutschland "Atelier") und ist ein klassisches J-Dorama. Junges, unerfahrenes Mädel kommt in die große Stadt (natürlich Tokyo), um da in der Modebranche zu arbeiten. Alles im typischen Lowbudget-Telenovelalook mit der ordentlichen Prise Overacting. Das klassische Dorama-Format ist ja schon Netflix-kompatibel, 10 - 13 Episoden und dann ist die Geschichte zu Ende erzählt. Mehrere Staffeln sind eher selten, ideal zum "binge watchen" also.
"Atelier" ist also wie gesagt auch in Deutschland verfügbar, samt Originalsprache und Untertiteln. Ich bin mal gespannt, was da in Zukunft noch an japanischen Inhalten ins deutsche Netflix schafft, vielleicht ja auch mal ein Film? Animes gibt es ja auch schon der einen oder anderen.
Bisher gehen wir im Alltag zu Hause den "Grauzonen"-Weg und schauen japanische TV-Sendungen, die auf Videoportale wie zum Beispiel Dailymotion oder FC2 hochgeladen wurden. Die haben allerdings meist miserable Qualität, sind auf Briefmarkenformat geschrumpft oder in hundert Abschnitte aufgeteilt. Eine neue Möglichkeit, mit Umweg über ein VPN (ich nutze momentan TunnelBear) an relativ aktuelle Inhalte in hoher Auflösung zu kommen ist "TVer". Dort haben sich einige private Fernsehsender zusammengeschlossen und stellen relativ kurze Zeit nach Ausstrahlung Sendungen zum kostenlosen Streamen ins Netz. Gut, sonderlich aufregend ist die Auswahl nicht, das ein oder andere Dorama ist dabei, Nachrichten und die üblichen Varietyshows. Ich freue mich über "吉田類の酒場放浪記" ("Yoshida Ruis Kneipentournotizen"), in der ein älterer Herr in jeder Episode ein Izakaya aufsucht, dort trinkt und isst, mit Wirt und Gästen schäkert und am Ende mal weniger, mal mehr beschickert in die Nacht taumelt. Weckt jedes mal die Sehnsucht nach einem amtlichen Izakaya bei mir...
Wie man sieht, langsam, gaaaanz laaaangsam, bewegt sich die Galapagosschildkröte Japan in Richtung digitaler Zukunft. Ich hoffe, die Ankündigung von Netflix "global TV" machen zu wollen, gibt dem ollen Tier nochmal ordentlich Schub.
Von Eselbrücken, Winzbäumen, Brettspielen und Hakenkreuzen
Making It Memorable: Japanese Mnemonics for Dates and Kanji (nippon.com)
Allerlei japanische Eselsbrücken. Die "Zahlensprache" kommt natürlich auch gerne bei Telefonnummern zur Anwendung, da hat man auch gleich einen schönen Text für Werbejingles.
Teeny Tiny Bonsai Plants Give New Meaning to the Word Miniature (Artfido)
Herzallerliebst putzig! Beim Thema Bonsai versuche ich mich selber in letzter Zeit, vielleicht dazu mehr hier im Blog.
A Version of Monopoly That Celebrates Japanese Traditional Arts & Crafts (Spoon & Tamago)
Selbst wenn man es angesichts der Sprachbarriere nicht spielen könnte, das wäre auch als Dekoration einfach nur schön anzusehen.
New map symbols to help foreigners find their way (The Japan News)
Gewisse Symbole auf japanischen Karten waren für nicht-Japaner tatsächlich verwirrend, wenn nicht gar verstörend. Prominentestes Beispiel dürfte wohl die Swastika als Symbol für buddhistische Tempel sein, bei denen Hänschen und Lieschen Müller gleich an Hakenkreuz = OMG NAZIS!!1! denken. Aber auch das T-ähnliche Symbol für ein Postamt oder das X, das nicht Piratenschätze, sondern Polizeistationen anzeigt. Das sich da jetzt etwas ändert, hängt wieder mal mit den bevorstehenden Olympischen Spielen 2020 zusammen. Wenn die überhaupt stattfinden, wenn das mit Aufdeckungen von Korruption und Doping im Sport so weiter geht...
11.1.16
Ein Bahnhof, ganz für mich allein?
Aber wie es scheint, ist die Wirklichkeit dann doch etwas unromantischer: laut der taiwanesischen "Apple Daily" (bzw. der Strait Times aus Singapur, für die Apple Daily ist mein Mandarin zu dürftig...) steigt besagte Schülerin zwei Stationen weiter in Kyû-Shirataki mit 10 anderen Mitschülern ein. Und vermutlich hat die "Aufschiebung" der Schließung der Station im März 2016 auch nichts mit dem täglichen Zusteigen einer Passagierin zu tun. Schließlich fallen zu dem Zeitpunkt auch noch zwei weitere Stopps, Kyû- und Shimo-Shirataki mit weg. Die Realität ist dann halt doch wie der Winter in Hokkaido: hart und kalt.
Wenn man sich übrigens mal die Fotos von dort bei Instagram anschaut, scheint der kleine Bahnhof ein beliebtes Ziel für Bahnhofsgroundhopper (auf Japanisch "Testudo Otaku") zu sein. Dürfte auf jeden Fall zu einem der am schwierigsten zu erreichenden Stationen zu gehören...
8.1.16
Von Affen, Schlangen und anderem Getier
(Verspätetes) Frohes neues Jahr! In Japan wurde jetzt wieder mal ein Jahr des Affen eingeläutet, deshalb stehen die versammelten Links dieses Mal im Zeichen der possierlichen Tierchen.
Japanese Designer New Year’s Cards of 2016 (Spoon & Tamago)
Traditionell gibt es zu Neujahr jede Menge "Nengajou", die Neujahrsgrußkarten. Da sind ein paar sehr schick designte dabei, wie die Sammlung von Spoon & Tamago zeigt. Bei uns ist bisher (nur) eine Karte angekommen, die hatte aber auch die schönen Briefmarken, die ein kleines Geheimnis verbergen...
The Secrets Hidden Within the Design of Japan’s 2016 New Year’s Cards (nochmal Spoon & Tamago)
Die japanische Post hat tatsächlich ziemliche Geduld bei ihren Neujahrssondermarken...
(Warte)Schlangen bei der Comiket sind faszinierend...
Managing the crowds at a comic book convention in Japan (via @ThingsWork) pic.twitter.com/NTDonnpR9B
— Nippon.com (@nippon_en) January 7, 2016
Monkey business at Baskin-Robbins Japan
Natürlich lässt sich niemand die Gelegenheit entgehen, mit den affigsten Sachen Geschäfte zum machen...
28.12.15
Linksammlung KW53
Top 10 films of 2015: War, slackers and a love Hotel (Japan Times)
Ich muss ja zugeben: es ist schon lange her, dass ich mir einen aktuelleren japanischen Film angesehen habe. Allerdings ist es ja trotz der schönen neuen Streamingwelt mit Netflix, Amazon und Co. auch gar nicht so einfach an solche Filme zu kommen. Aktuell gab es "Umimachi Diary" von Koreeda in den deutschen Kinos, aber das war es dann auch. Sehen wollen würde ich den ein oder anderen Film aus der verlinkten Liste auf jeden Fall gerne.
Best books on Japan for 2015 (Japan Times)
Wer im Gegensatz zu mir nicht am "Tsundoku"-Syndrom leidet und regalmeterweise ungelese Bücher in der Warteschleife hat, kann sich hier vielleicht etwas Inspiration für den nächsten Besuch bei der Buchhandlung seines Vertrauens holen. Andererseits: ein Buch mehr macht jetzt auch nicht den Unterschied *Einkaufslisteschreib*
Japanese TV Commercials [ THE VERY BEST OF 2015 ] (YouTube)
"Cup Noodle"-Hersteller Nissin hat einen ganz guten Lauf an Werbung mit hohem "WTF JAPAN!?!?"-Faktor. Mein Favorit ist aber die "WonderCore"-Werbung, die einfach kurz & schmerzlos lustig ist.
Und noch zwei Artikel über Kinder in Japan. Zum einen "Why are Japanese children the healthiest in the world?" (Japan Times), mit ein paar Denkanstößen zu gesünder Ernährung von Kindern. Der zweite Text, "The Tightly Regulated “Independence” of Japanese Children" (nippon.com), klärt über die vermeintliche "Unabhängigkeit" japanischer Schulkinder auf. Das rückt dann auch die Bemerkung aus dem ersten Artikel, dass japanische Schulkinder ja alleine (!) zu Schule gehen (!!) würden, in ein anderes Licht.
22.12.15
...and the winner is:
Kurzer Nachtrag zum Blogpost von letzter Woche über die Entwürfe für das neue Tokyoter Olympia- bzw. Nationalstadion. Eine Entscheidung wurde getroffen und gewählt wurde (der auch von mir favorisierte) Vorschlag A, der tatsächlich von Kengo Kuma stammt. Jetzt kann es also endlich mit dem Stadionbau weiter gehen. Die "spannenden" Fragen jetzt: werden sie rechtzeitig fertig? Und wie hoch steigen die Kosten über die die veranschlagten 155 Milliarden Yen (rund 1,2 Milliarden Euro) steigen? Zum Vergleich: der Bau des Olympiastadions in London kostete ungefähr 650 Mio. Euro, beim Stadion in Peking 325 Mio. Euro. Teurer Spaß...
Quelle: Japan Times
21.12.15
Linksammlung KW52
Das immer wieder tolle "WDR Zeitzeichen" blickt zurück auf das Ende des Shinoismus als Staatsreligion in Japan. Auch wenn man in 15 Minuten nicht allzu sehr in die Tiefe gehen kann, dennoch eine sehr interessante Geschichts(viertel)stunde.
Japanese TV Commercials [ 2015 weeks 49 &50 ]
Eine eher schwache (Doppel)Woche in der wunderbaren Welt der japanischen Werbung. Mein Favorit ist dieses Mal die gewohnt merkwürdige Boss-Werbung mit Tommy Lee Jones als fischfutterschnippender Außerirdischer.
Warum Japan für Vegetarier die Hölle ist - (Bento)
Auch wenn sich gerade in Tokyo in den letzten Jahren in Sachen vegetarischer Ernährung einiges getan hat, ist das Urteil, dass Japan für Vegetarier die Hölle ist, nicht sonderlich übertrieben. Die Autorin des Artikels ist übrigens Teil von Crowdspondent, die zuletzt für zwei Monate in Japan unterwegs waren und zur Zeit an einer größeren Reportage arbeiten, über das, was sie in der Zeit dort so recherchiert haben.
The Secrets Hidden Within the Design of Japan’s 2016 New Year’s Cards - (Spoon & Tamago)
Die kleinen, wirklich sehr kleinen Geheimnisse in den 2016er Neujahrskarten der japanischen Post. Putzig!
Let Deadly Premonition creator Swery take you on a tour of Osaka - (Polygon)
Zum Schluss noch etwas virtuelles Sightseeing. Einmal mit Videospielemacher Hidetaka Suehrio aka Swery durch Osaka...
100km Walking in Tokyo in 3 Days
...und einmal 100km zu Fuß durch Tokyo. Könnte fast von mir sein, das Video...
15.12.15
Neue Entwürfe für das Olympiastadion Tokyo
Nachdem sich auch schon Ministerpräsident Abe eingeschaltet hatte, dass das so ja jetzt auch nicht geht, zog das Organisationskommitee also kurzerhand die Reißleine, verabschiedete sich vom Zaha Hadid-Entwurf und gab bekannt, einen neuen Entwurf zu suchen. Jetzt wurden die zwei Finalisten bekannt gegeben (alle Details hier), momentan nur als "Vorschlag A" und "Vorschlag B" bekannt. Die Architekten dahinter werden nicht genannt, wer sich ein bisschen in der japanischen Architektur auskennt, wird zumindest bei "Vorschlag A" eine ziemlich genaue Idee haben, wer für diesen Entwurf verantwortlich ist.
"Vorschlag A" soll überwiegend aus Holz gebaut werden und fügt sich mit der Begrünung im Exterieur harmonisch in das umliegende Parkgelände ein:
Wenn man in den Entwürfen sieht, dass auch in den Innenräumen viel Holz dominiert, liegt die von Nikkan Sports geäußerte Vermutung nahe, dass es sich um einen Entwurf von Kengo Kuma handeln könnte.
Das herausstechende Merkmal von "Vorschlag B" ist das geschwungene Dach, welches von 72 Holzsäulen getragen werden soll. Für diesen Entwurf zeichnet sich laut Nikkan Sports Toyo Ito verantwortlich.
Beide Entwürfe sind auf jeden Fall schon mal deutlich zurückhaltender in Design, sollen deutlich weniger kosten und beruhen auf alten japanischen Traditionen. Mir persönlich gefällt "Vorschlag A" etwas besser, ich bin gespannt, wofür man sich schlussendlich entscheidet. Viel Zeit bleibt ja nicht mehr, bis zum geplanten Beginn der Spiele am 24. Juli 2020 ist ja nicht mehr allzu viel Zeit.
Interessant wird übrigens auch noch die Findung eines neuen Logos für die Spiele. Nachdem sich heraus gestellt hatte, dass das ursprünglich ausgewählte Logo eine ziemlich eindeutige Kopie war (mal ganz davon abgesehen, dass es nicht wirklich gut war), hat man auch hier einen neuen Wettbewerb aufgerufen. Bis letzte Woche konnten Entwürfe abgegeben werden (es wurden knapp 15.000!) und heute beginnt man mit der Sichtung der eingereichten Vorschläge. Vielleicht gibt es ja nächsten Monat auch da schon die ersten möglichen Finalisten zu sehen.
(Quelle: Spoon & Tamago)
14.12.15
Linksammlung KW51
Es folgen also einfach mal ein paar Links zu Artikeln mit Japanbezug, die mir in letzter Zeit begegnet sind und für die ich jetzt keinen eigenen Beitrag verfassen möchte.
Why Japan got over emoji (Matt Alt für Slate)
Über die Entstehung der emoji und wieso sie (im Gegensatz zum Rest der Welt) in Japan an Popularität verlieren.
How to wear a Yukata (Japan Today)
Okay, ist jetzt vielleicht etwas zu früh (oder zu spät) dafür, aber bis zum Sommer hat man (bzw. frau) dann ja noch ein paar Monate Zeit um zu üben, wie man einen Yukata richtig trägt. Oder sich überhaupt erstmal einen zu besorgen...
Der andere Comic aus der Reihe, "Enjoying Onsen in Japan" ist da vielleicht etwas Jahreszeiten-unabhängiger.
Gaijin Eye (tumblr)
Fotos von den Straßen Tokyos, gemacht von Justin Epperson. Der arbeitet übrigens für 8-4, die in Japan Videospiele übersetzen und nebenbei den wohl interessantesten Podcast über Videospiele, Japan und Videospiele in Japan machen.
Jed Henry's Ukiyoe Heroes Portraits #2 (Mokuhankan)
Okay, das fällt dann jetzt wohl etwas unter die Rubrik Werbung. Die fantastischen Ukiyoe Heroes Portraits gehen in die zweite Runde, einfach Abo abschließen und für ein Jahr gibt es einen richtig echten (und richtig echt schicken) Holzschnitt im Briefkasten! Die erste Portraitreihe von 2014 war schon fantastisch, insbesondere für Menschen mit Videospielaffinität. Wer übrigens zufällig in Tokyo ist oder vorhat dort hin zu reisen, der mal eine "Print Party" im Ladengeschäft der Holzschnittdruckerei "Mokuhankan" mitmachen. Details hier.
Japanese graphic design from the 1920s - 1930s (Pink Tentacle)
Schon ein paar Jahre alt, aber immer noch schön anzusehen, was da so in Japan designtechnisch los war vor fast 100 Jahren.
Shigeru Mizuki's War-Haunted Art and Life (nochmal Matt Alt, diesmal für New Yorker)
Nachruf auf die vor kurzem verstorbene Mangalegende Shigeru Mizuki. Ich habe Anfang des Jahres Magnum Opus "Showa: A History of Japan" gelesen, welches halb Autobiographie und halb Geschichtsbuch ist, höchst interessant! Ein Verlust für die Mangawelt!
14.2.13
Fenster mit Aussicht
Auf Grund des vergleichsweise schmalen Reisebudgets (auch unter Berücksichtigung des aktuell günstigen Yenkurses) sind bei diesem Japanaufenthalt keine großen Reisen außerhalb Tokyos drin. Aber allzuweit weg von Tokyo muss man ja auch nicht, um mal etwas anderes als Großstadt zu sehen. Und so verschlug es uns für einen Besuch eines Freundes in die benachbarte Präfektur Yamanashi, rund anderthalb Stunden per Zug außerhalb von Tokyo. Yamanashi ist vor allem bekannt für leckeres Obst, vor allem Pfirsiche und Trauben (und den aus den Trauben hergestellten Wein). Dementsprechend gibt es viel Landwirtschaft und (zumindest im Vergleich mit Tokyo) viel Natur.
Nach unserer Ankunft am Bahnhof Enzan hatten wir noch etwas Zeit totzuschlagen, bis wir von Hajime (besagtem Freund) abgeholt wurden. Praktischerweise gab es direkt auf der anderen Straßenseite in einem alten (ich vermute mal) Bauernhaus eine große Hina-ningyo-Ausstellung. Das sind Puppen, die zum Mädchenfest "Hinamatsuri" aufgebaut werden. Genauer gesagt ein ganzer Hofstaat von Puppen, ganz oben Kaiserin und Kaiser, darunter Dienerinnen, Wachen, Musiker und anderes.
Meine Frau hat auch so einen Satz (der sündhaftteuren) Puppen, unsere Tochter bekommt jetzt auch ihre. Bei der Ausstellung gab es also Puppen verschiedener Epochen zu sehen, zum Beispiel diese...
oder diese...
Zufälligerweise konnten wir uns auch noch ein kurzes Koto-Konzert (Koto ist die japanische Zither) anhören, bei dem ein traditionelles Hinamatsuri-Lied gespielt wurde.
Nachdem wir uns genug von den Puppen angesehen hatten, ging es noch in die benachbarte Kinderbibliothek. Dort gab es auch einen Tatamiraum, in dem Babies und Kleinkinder herumkrabbeln und sich jede Menge Bilderbücher ansehen konnten. So verging die Wartezeit dann auch im Fluge bis wir dann von Hajime abgeholt wurden. Auf dem Weg zu seinem Haus (bzw. dem seines Vaters und ihm) besuchten wir noch den Tempel Erin-ji, der nicht nur ziemlich groß ist und einen schönen Garten hat, sondern auch noch das Grab des bekannten Samurai bzw. Daimyo Takeda Shingen beherbergt.
Danach ging es weiter in die Berge, bis zum Haus von Hajime. Sein Vater hatte ein altes Haus in der Präfektur Niigata gekauft, dies abbauen lassen, zu seinem jetzigen Standort in Yamanashi verfrachten lassen und baute es dort mit seinem Sohn und einigen Experten wieder auf, moderner und schicker versteht sich.
Warum dieser Umzug? Ein Blick aus dem Fenster genügte: zur Aussicht ins Tal kam am Horizont noch der Gipfel des Fuji-san hinzu. Je nach Wetterlage sah das wirklich wie ein Ukiyo-e-Bild aus...
Im Zuge der Modernisierung wurde das ganze Haus auch mit Fenstern mit Doppelverglasung (die guten aus Deutschland!) versehen. Was aber nicht viel half: so schick das ganze Haus auch was, es war saukalt, ich glaube so 12 Grad. In der Küche gab es immerhin Fußbodenheizung und im Wohnzimmer stand eine große Heizung, die aber nicht wirklich viel brachte, weil alle (sehr großzügigen) Zimmer irgendwie miteinander verbunden sind. Allerdings ist das Haus auch noch immer im Bau, vielleicht wird das bis zum nächsten Winter auch noch behoben. So saßen wir also alle mit Daunenjacken beim Abendessen, aber gute Laune herrschte dank warmem Eintopf, Bier und Wein aber trotzdem. Und dank einem Bad vor dem Schlafen gehen und dicken Decken hat sich im Bett auch keine Frostbeulen geholt.
Am nächsten Tag stand dann noch ein Besuch im Onsen (von heißen Quellen gespeiste Bäder) an. Von denen gibt es in der Gegend einige, aber als wir beim ersten ankamen, hatte das gerade Ruhetag... also auf zum nächsten, einen Berg hoch, vorbei an einem Hotel und einem "Fruitspa". Und der Weg darauf hatte sich so was von gelohnt! Ein Rotenburo (Bad unter freiem Himmel) wieder man mit Blick auf den Fuji-san. Wohl laut japanischer Reiseseiten das Bad mit der besten Aussicht. Dem will ich mal nicht widersprechen. Kein Wunder, dass Leute da schon morgens zum Sonnenaufgang auf der Matte stehen für ein Bad mit Aussicht.
Zum Abschluß der Reise gab es noch eine Spezialität der Gegend, Hôtô-Udon, ein Nudeleintopf mit dicken Nudeln und viel Gemüse, vor allem Kürbis, in Miso-Suppe. Sehr lecker, sehr sättigend. Genug für die Rückreise ins laute, bunte, hektische Tokyo. Wenn man Glück hat, kriegt man da auch mal den Fuji zu sehen. Aber nicht annähernd so schön, wie der, den wir in den zwei Tagen in Yamanashi zu sehen bekamen. Da zeigt sich wieder: wozu in die Ferne schweifen...
13.2.13
Was du heute kannst besorgen... blablabla...
Eigentlich wollte ich die kurze Blogpause heute mit einem "ordentlichen" Eintrag beenden. Aber es kam halt wie so oft in den letzten Tagen (bzw. schon Wochen): den ganzen Tag unterwegs, abends wieder nach Hause, das Kind noch ein bißchen bespaßen und dann ins Bett bringen, mit den Schwiegereltern Abendessen, noch ein Teechen trinken... und schwupps ist es wieder halb elf und ich bin mit einer lähmenden Bettschwere erfüllt. Kein Wunder, denn das Kind ist sozusagen eins mit der Natur und wird müde wenn es dunkel wird und wacht pünktlich mit dem Sonnenaufgang (momentan so zwischen halb sieben und sieben hier in Tokyo) wieder auf. Und da Mama meistens noch um einiges später ins Bett kommt als Papa, muss der dann halt raus aus dem Bett und mit dem morgendlichen Kinderunterhaltungsprogramm beginnen (und vor allem Mama das Kind vom Leib halten).
Und so kommt es dann halt, dass es mir momentan etwas schwer fällt, mich mal in Ruhe hinzusetzen und ausführlicher von unseren Reiseerlebnissen zu berichten. Aber ich nehme mir fest vor, das in den nächsten Tagen nachzuholen. Zur Entschädigung: ein Foto von einem Frühstückstisch mit hervorragendsten Aussicht auf Yamanashi mit samt Fuji-san am Horizont. Mehr dazu beim nächten Mal!
25.1.13
Soll ich stehen oder gehen?
Eine Sache, die mich in Japan ja immer wieder erfreut (es sind die kleinen Dinge...), ist die fast immer eingehaltene Rolltreppendisziplin: links stehen, rechts gehen (und in Osaka andersrum, wenn ich mich nicht täusche). Dabei steht der überwiegende Großteil der Rolltreppenbenutzer lieber, gegangen wird wohl nur wenn's eilig wird und die nicht-rollende Treppe wird auch nur im äußersten Notfall (= es ist keine Rolltreppe da, es ist Rushhour oder jemand hält sich nicht an die Regeln und hält den Rolltreppenablauf auf) benutzt. Was ich aber jetzt erst festgestellt habe, wo ich als Kinderwagenchauffeur darauf angewiesen bin: die Japaner, egal ob jung oder alt, ob topfit oder nicht mehr so ganz, fahren gerne Aufzug. Klar macht das bei Hochhäusern mit dutzenden Stockwerken Sinn. Äußerst merkwürdig finde ich das allerdings bei den Aufzügen in U-Bahnstationen. Es ist egal, ob die am anderen Ende des Gleises sind, das man mindestens einmal umsteigen muss (einmal vom Gleis ins Zwischengeschoss, dann von da an die Erdoberfläche) oder dass die Aufzüge eher gemütlich unterwegs sind, es finden sich immer ein paar Schüler, Angestellte oder Mädels auf Shoppingtour, die einen Aufzug füllen. Obwohl sie offensichtlich überhaupt nicht darauf angewiesen sind. An vielen Aufzügen steht zwar so etwas wie "Dieser Aufzug ist für Menschen im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck, vielen Dank für ihre Rücksichtnahme", aber da hat die oft gerühmte Höflichkeit und Disziplin offensichtlich ihre Grenzen. Und so wird es wohl in Zukunft öfter vorkommen, das wir uns aus Höflichkeit nicht mit unserem Kinderwagen in den Aufzug zwängen, sondern warten, bis der nächste kommt...
18.1.13
Frostbeulen im Bett
Was hab ich mir vor dieser Reise Sorgen gemacht, nachts nicht schlafen zu können. Abgeschreckt vom Wissen über die schlechte Isolierung japanischer Häuser (was oft zur "Außentemperatur = Innentemperatur"-Situation führt, wenn mal 5 Minuten nicht geheizt wird), von Horrorgeschichten über Schlafen in kompletter Kleidung oder Festfrieren am Kopfkissen und der Sorge wegen der rein klimaanlagenerwärmten Luft der Nase den Rest zu geben, hatte ich schon damit gerechnet, Tag für Tag unausgeschlafener zu sein. Aber was soll ich sagen: ich schlafe mindestens so gut wie zu Hause, wenn nicht sogar noch besser. Wir schlafen im Tatamizimmer auf Futons (mit dem Kind in der Mitte) unter einer knapp 30cm dicken Bettdecke. Kälte ist da überhaupt kein Thema, im Gegenteil, manchmal wird's mir darunter sogar zu warm. Abends vor dem Schlafen wird die Klimaanlage angeworfen, ich stelle sie immer auf 16°C ein. Um der trockenen Luft entgegen zu wirken, gibt's noch einen Luftbefeuchter (für Bakterienverseuchungssorgenträger, es ist einer, der das Wasser verkocht), der ist zwar nicht ganz leise (wie die Klimaanlage ja auch nicht), aber gegen die Straße vor dem Haus ist das nüschte. Nach zwei Nächten krieg ich davon nix mehr mit.
Richtig kalt ist es vor allem, wenn man nachts mal auf's Klo muss. Da kommen die bereits erwähnten beheizten Klobrillen zur vollen Entfaltung - vorausgesetzt, die sind nicht gerade im Stromsparmodus und brauchen noch ein paar Sekunden zum warm werden.
Was die Zeit außerhalb der Nacht angeht? Wenn wir zu Hause sind, sind wir im "Wohnzimmer", welches auch mit Klimaanlage beheizt wird - und einem beheizten Teppich. Ich will gar nicht den Stromverbrauch wissen, den wir hier haben.
Wenn wir unterwegs sind, hatten wir oft das Problem des Temperaturunterschieds zwischen drinnen und draußen. Ist man nämlich schön warm eingepackt, um draußen nicht zu frieren und kommt dann in ein Geschäft, Restaurant oder Café kommt und da etwas mehr als 5 Minuten verbringt, geht man fast kaputt vor Wärme. Insbesondere, wenn man noch ein Kind auf dem Arm hat und unter Kontrolle halten muss. Abhilfe schafft also entweder weniger anziehen und draußen etwas frieren oder ständig ausziehen, anziehen, ausziehen, anziehen...
Ich habe also bisher nicht so sehr mit dem Winter hier zu kämpfen, wie ich befürchtet hatte. Und ich hoffe das bleibt auch so. Aber bisher sind die Temperaturen ja auch noch nicht merklich unter 0°C gewandert, wer weiß, was da noch kommt...
16.1.13
Schnee von gestern
Wie angekündigt, gab es gestern nach dem komplett verschneiten Montag einen klaren, blauen Himmel. Und da sich der Schnee auch als hartnäckiger als (von mir) erwartet erwies, dachten wir uns, das seltene Schauspiel von oben anzusehen. Um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, verbanden wir dieses Vorhaben mit einem Museumsbesuch und machten uns auf nach Roppongi, zum im 53. Stockwerk gelegenen Mori Art Museum. Von da aus gab es auch einen fantastischen Ausblick auf die noch schneebedeckte Stadt, inkl. Tokyo Tower und Skytree:
Man kam einfach nicht mit der Schnee, bzw. Eisbeseitigung nach. Das ist sowieso ein Schauspiel, Räum- und Streudienste scheinen hier in Tokyo äußerste Mangelware zu sein, die Gehwege wurden also von den Anwohnern mit mehr oder weniger passenden Werkzeugen geräumt (in Akihabara wurden zum Beispiel Pappschilder zum Räumen benutzt, oder leere Flaschen zum Eis lösen). Aus den Straßen hatte sich zumindest bei den viel befahrenen das Problem selbst erledigt, ein sehr häufig zu hörendes Geräusch war dennoch das Rattern von Schneeketten auf Asphalt. Im Fernsehen gibt es ständig Bilder von auf spiegelglatten Gehwegen ausrutschenden Passanten zu sehen, es wird erklärt, warum die Autobahn gesperrt werden muss und wie schwer ein Schneeball wird, wenn er vom Tokyo Skytree fällt. Was meine Frau gestern zur Feststellung führte: "Im Winter gibt's Probleme, im Sommer gibt's Probleme, wann ist man hier eigentlich mal ohne Probleme?"
Ach ja, im Mori Art Museum gab es übrigens eine sehenswerte Aida Makoto-Retrospektive. Seiner Kunst, genauer gesagt seinen "Harakiri Schoolgirls" bin ich bei meiner ersten Japanreise in Kanazawa begegnet (siehe diesem und diesem Blogpost). Dieser Artikel der Japan Times fasst die Ausstellung gut zusammen. Ebenfalls gab es noch eine Reise in den Weltraum, eine Multimediaausstellung mit Videoanimationen, Lichtinstallationen und einem Miniplanetrarium. Teilweise beeindrucken, teilweise aber auch etwas enttäuschend (die Flugreise zum Saturn zum Beispiel, da bietet jede BBC-Doku beeindruckende Bilder). Aber wenn man bedenkt, das wir für das alles den gleichen Eintrittspreis wie für den Tokyo Skytree bezahlt haben, lohnt es sich auf jeden Fall.
15.1.13
And then winter came...
Bisher hat sich der Winter in Tokyo von seiner milden Seite gezeigt. Die ersten zwei Tage als wir hier ankamen hat es zwar Bindfäden geregnet, aber danach fast zwei Wochen durchgehend heiter bis wolkig bei Temperaturen zwischen 8 und 15 °C. Gestern änderte sich das deutlich: in der Nacht hatte es zu regnen begonnen und als wir morgens um 10 Uhr beim Frühstück sassen, konnten wir beobachten, wie die Regentropfen langsam deutlich an Masse gewannen und auf einmal in Schnee übergingen. Und zwar Babyfaust große Schneeflocken. Am Anfang blieb noch nichts liegen, aber es dauert dann doch nicht mehr lange, bis sich eine geschlossene Schneedecke gebildet hatte.
Allen Wetterkapriolen zum Trotz wollte ich mich allein nach Akihabara aufmachen, eine Runde Spielhallen besuchen und vielleicht noch etwas einkaufen. Der Weg dahin war nicht so schwierig, per U-Bahn und Bahn kein Problem. Dort angekommen dann der gleiche Anblick: Schnee überall. Die Schneedecke war vielleicht 5 - 10 cm stark und eher matschig als fluffig. Ein Glück, dass ich mir vor der Reise ein Paar ordentliche Winterschuhe gekauft hatte, viele der anderen Menschen, die in Akihabara herumliefen, waren mit eher unpassendem Schuhwerk ausgestattet, sei es, weil sie der Wettervorhersage keinen Glauben geschenkt hatten oder weil es einfach nicht zum Outfit passte. Am schwersten hatten es da wohl die 20-jährigen, die gestern den "Seijin no hi" (Tag der Volljährigkeit) ihre Volljährigkeit gefeiert haben. Die liefen nämlich in (seeehr schicken) Kimonos rum und dazu gehören auch die Geta, quasi japanische Flip-flops, so ziemlich das unpassendste Fußwerk bei dem Wetter.
Mein Plan war es, sozusagen von Geschäft zu Geschäft zu hüpfen und sich damit immer nur kurz dem Schneegestöber auszusetzen. Grundsätzlich kein Problem. Erschwerend kamen aber der starke Wind hinzu, der immer matschiger werdende Schnee und der Umstand, einen Regenschirm dabei zu haben. Das bedeutet nämlich jedes Mal beim Betreten eines Ladens: Regenschirm schließen und ausschütteln und den geschlossenen Schirm dann in eine schmale, regenschirmlange Plastiktüte zu fummeln. Manchmal gibt es dafür praktische Maschinen, meistens durfte man das aber selber machen. Ganz wenige Geschäfte hatten auch einfach einen Schirmständer am Eingang, was zum einen die Fummelei ersparte und zum anderen eine freie Hand bedeutete. Nicht zu vergessen, dass die ganzen Plastiktüten am Ausgang dann wieder entsorgt wurden, hurra, noch mehr Plastikmüll! Ich hab meine Regenschirmtüte wenigstens ein paar mal weiterverwendet...
Als es um fünf Uhr dunkel wurde (es schneite immer noch), machte ich mich auf den Heimweg. Am Bahnhof angekommen, musste ich aber feststellen, dass die Bahnlinie, die ich für die direkte Verbindung für den Heimweg brauchte, auf Grund des heftigen Schneefalls den Betrieb eingestellt hatte. Und das war nicht die einzige Linie wo das der Fall war. Das müssen sich die Deutsche Bahn-geplagten Deutschen mal vorstellen: da stellt die japanische Bahn, gerühmt für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, einfach mal komplett den Betrieb einer Bahnlinie ein. Das sollte sich die Deutsche Bahn mal erlauben, brennende Barrikaden würden an den Bahnhöfen errichtet, der wütende Mob wäre kaum zu bremsen.
Ich hab dann noch einen alternativen Weg gefunden (der Zug war natürlich rappelvoll), der allerdings noch etwas Fußweg bedeutete. Der mich aber auch irgendwann nach Hause brachte, wo warme Suppe und Bier warteten, juhu! In den Nachrichten war dann das ganze Ausmaß zu sehen, Verspätungen und Annulierungen von Bahn und Flügen wurden gemeldet, Staus auf den Autobahnen (meistens wohl verursacht durch unpassenden Bereifung oder verreckte Batterien), der Tokyo Skytree war nicht mehr zu sehen und überhaupt überall: Schnee, Schnee, Schnee...
Heute morgen waren die Dächer immer noch weiß, der Schneematsch an vielen Stellen gefroren, aber ich gehe mal davon aus, dass angesichts des blauen Himmels, der Sonnenscheins und Temperaturen Richtung 10°C der Spuk bald vorbei ist. Die Aussichten für die nächste Woche: weiter heiter bis wolkig... ob's das also schon war mit dem Winter?
11.1.13
Tokyo von ganz oben
Alle waren früh wach heute morgen, ein Blick aus dem Fenster zeigte schönstes Winterwetter (klarer blauer Himmel), also beschlossen wir kurzerhand: heute geht es rauf auf den Skytree! Der Tokyo Skytree ist mit 634 Metern das höchste Gebäude Japans und dürfte somit eine ziemlich gute Aussicht bieten (wobei die Aussichtsplattform auf "nur" 350 Metern Höhe ist).
Also rein in den Bus (die einfachste Verbindung von Nezu, und mit 200 Yen auch ziemlich günstig), der praktischerweise so ziemlich genau vor dem Eingang hielt. Rein in den Großkomplex am Fuße des Skytree, bzw. ein paar Rolltreppen rauf, vorbei an Restaurants und Souvenirläden, rein zum Ticketschalter... wo uns natürlich eine lange Warteschlange erwartete (wir waren um 11 Uhr da). Aber mit 20 Minuten Wartezeit konnte man leben, währenddessen konnte man sich ein superdetailliert gezeichnetes und animiertes Diorama ansehen, bei dem man sich schon mal einen Eindruck verschaffen konnte, was es von oben zu sehen geben wird.
Die Tickets für die Fahrt zur Aussichtsebene sind nicht gerade günstig, ein Erwachsener darf 2000 Yen berappen. Wer noch auf die noch ein paar Meter höher gelegene "Aussichts-Spirale" möchte, darf nochmal 1000 Yen mehr berappen, aber das haben wir uns dann gespart. Danach ging es dann gleich zum Aufzug, wo uns die nächste Warteschlange erwartete, allerdings mit deutlich weniger Wartezeit. Der Aufzug, der uns dann zugeteilt wurde, hatte das Thema "Herbst", war innen komplett schwarz und war mit goldenen Reliefs verziert, die an die tragbaren Mikoshi-Schreine erinnern, die zu den Matsuri-Paraden durch die Straßen getragen werden. Der Aufzug hatte ein ziemliches Tempo drauf, ich glaube irgendwas mit 60m/sec. Als sich dann oben die Türen öffnen erwartete uns ein großartige Aussicht... auf viele Rücken... klar, wir waren nicht die einzigen. Als wir uns dann ans Fenster vorgearbeitet haben (gar nicht so einfach, wenn man mit Kinderwagen unterwegs ist), gab es dann tatsächlich die erwartete großartige Aussicht...
und ganz klar, da wo sich die meisten Menschen am Fenster versammelten, gab es noch den Blick auf den Fuji-san mit dazu. Besser konnte man es wohl kaum erwischen.
Zwischen den Reisegruppen und Schulausflüglern wurde das ganze allerdings (durch die erwähnte Begleitung) etwas stressig. Allerdings mit jeder Ebene, die man zum "Rückkeraufzug" runter ging, dann wesentlich entspannter, die Aussicht zu genießen und zu überlegen, was denn jetzt genau wo zu sehen ist und ob das eigene Haus zu finden ist (eher schwierig aus der Höhe).
Als wir wieder unten waren (leider wieder im gleichen Aufzug, ich hätte gerne mal einen der anderen gesehen), gingen wir noch etwas in der Gegend spazieren (natürlich auf der Suche nach etwas essbarem) und konnten von da aus nochmal den Skytree in seiner ganzen Größe betrachten.
Fazit: wie bei den meisten Aussichtspunkte dieser Art - wenn's Wetter gut ist und es unter der Woche ist (und vielleicht etwas früher am Tag), durchaus einen Besuch wert. Vor allem kriegt man auch mal Teile Tokyos zu sehen, die vom Tokyo Tower oder dem Rathaus in Shinjuku eher verborgen bleiben.
(Ich hätte übrigens gerne noch ein paar andere Fotos mit eingebunden, aber leider stürzt die Blogsoftware ständig ab, wenn ich versuche, Fotos aus dem iPad-Fotoordner auszuwählen. Gnarf...)
10.1.13
Ich und der Kugelfisch
Er darf in keiner Reportage über Essensgewohnheiten in Japan fehlen: der Fugu aka Kugelfisch. Der tödlich giftige, der nur von Profis zubereitet werden darf, die sich nach jahrelanger Quälerei ein Zubereitungserlaubniszertifikat erarbeitet haben. Sozusagen ein Extremsport im Gourmetbereich. Und wie sich das für einen ordentlichen Extremsport gehört, geht regelmäßig auch ein Fuguesser beim Genuß dieser Besonderheit bei drauf (vermutlich, weil er bei jemandem gegessen hat, der kein Zertifikat hat...). Gestern war es dann soweit: ich habe den Helm aufgesetzt, den Fallschirm angeschnallt und bin gesprungen. Da ich die Zeilen hier noch tippen kann, habe ich offensichtlich überlebt.
Das Restaurant sei nur die Filiale einer Kette, sagte meine Frau vorher noch. Wenn allerdings jede Restaurantkette so wundervoll eingerichtet wäre, würden wir in einer besseren Welt leben: schlichtes klassisch-japanisches Interieur, separate Zimmer, man kam sich vor wie in einer traditionellen Herberge. Der Einfachheit halber hatten wir ein festgelegtes Menu bestellt, Fugu, in allen möglichen Variationen. Genug also der Schwaflerei, hier jetzt Gang für Gang in voller Pracht (gut, den Geschmack müsst ihr euch natürlich denken...)!
Zur Eröffnung gab es Fuguhaut in Fuguaspik, dazu Yuba (Tofuhaut) in Sesamsoße.
Als nächstes Fugu in seiner wohl bekanntesten Form, roh und hauchdünn geschnitten. Fugu hat übrigens festes Fleisch, dafür dass das Fleisch so dünn geschnitten ist, hat es deutlich Biss.
Es folgte gebratener Fugu als Sushi, also auf Reis...
und Fugu frittiert...
Als Höhepunkt Fugueintopf, Fugu"rippchen" in Fugubrühe mit Gemüse...
Dazu gab es übrigens Sake, der in einer Bambuskaraffe gereicht und aus Bambusbechern getrunken wurde. Ach ja, und der hervorragend schmeckte...
Das was vom Fugueintopf an Brühe übrig blieb, wurde dann mit Reis und Ei zu einer Art Risotto gekocht. Großartig!
Als Dessert gab es dann doch noch etwas Fugufreies, Sojamilcheis mit schwarzem Zuckersirup und Kinako (Sojabohnenmehl, schmeckt erdnussig). Foto gibt's davon nicht.
Alles in allem ein sehr leckeres Essen! Weniger großartig war leider, dass der Zeitpunkt des Essens mit dem Zeitpunkt der Schlafenszeit unserer Tochter kollidierte. Die war zu Beginn noch gut drauf, dann überdreht und dann so übermüdet, dass sie nicht einschlafen konnte, auch wenn vom Restaurant ein kleines Kinderbett zu Verfügung gestellt wurde. Auch wenn die Schwiegermutter sich mal dem Kind annahm und eine Runde spazieren ging, artete das Ganze dann doch in Streß aus, der leider den Genuß etwas erschwerte. Aber so ist das halt, wenn man mit Kleinkind unterwegs ist: planen kann man da gar nichts, man muss immer mit allem rechnen. Wie jetzt auch, das Kind verlangt nach Aufmerksamkeit, keine Zeit für langweilige Tipperei!
























